Der 5. Juni zählt zu jenen Kalendertagen, an denen sich zahlreiche Ereignisse mit langfristigen Folgen für Europa und die Welt ereigneten. Besonders Frankreich spielt dabei mehrfach eine zentrale Rolle.
Ereignisse in Frankreich am 5. Juni
1832: Der Pariser Juniaufstand beginnt
Am 5. Juni 1832 erhoben sich in Paris republikanische Gruppen gegen die Julimonarchie von König Louis-Philippe I.. Auslöser war die Beerdigung des populären Generals Jean Maximilien Lamarque. Barrikaden entstanden in den Straßen der Hauptstadt, und für kurze Zeit schien ein Umsturz möglich.
Die Regierung schlug den Aufstand jedoch bereits am folgenden Tag nieder. Berühmt blieb die Revolte vor allem durch Victor Hugos Roman Die Elenden, dessen berühmte Barrikadenszenen auf diesen Ereignissen beruhen.
1940: Beginn der deutschen Offensive „Fall Rot“
Am 5. Juni 1940 startete die deutsche Wehrmacht die zweite Phase ihres Frankreichfeldzugs. Nach dem Durchbruch bei Sedan griffen die deutschen Truppen nun südlich der Somme an. Die französische Verteidigung geriet zunehmend unter Druck.
Nur wenige Wochen später folgte der Waffenstillstand von Compiègne. Frankreich wurde geteilt, die deutsche Besatzung begann und die Widerstandsbewegung entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der französischen Erinnerungskultur.
1944: Die Normandie-Invasion steht unmittelbar bevor
Ursprünglich sollte die alliierte Landung in der Normandie am 5. Juni 1944 beginnen. Wegen schlechten Wetters verschob General Dwight D. Eisenhower die Operation um einen Tag.
Der 5. Juni war deshalb von gewaltigen Vorbereitungen geprägt: Fallschirmjäger standen bereit, Schiffe lagen in den Häfen Südenglands, und die deutsche Führung ahnte noch nicht das wahre Ausmaß der bevorstehenden Invasion. Am Morgen des 6. Juni begann schließlich der D-Day – ein Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs.
Bedeutende Ereignisse in der Weltgeschichte
1661: Isaac Newton beginnt sein Studium
Am 5. Juni 1661 wurde Isaac Newton am Trinity College in Cambridge aufgenommen. Aus dem jungen Studenten entwickelte sich einer der bedeutendsten Wissenschaftler der Geschichte. Seine Arbeiten zu Gravitation, Mathematik und Optik prägen Wissenschaft und Technik bis heute.
1849: Dänemark erhält eine Verfassung
Am 5. Juni 1849 trat die erste demokratische Verfassung Dänemarks in Kraft. Damit endete die absolute Monarchie des Landes. Der Tag gilt bis heute als dänischer Nationalfeiertag.
1915: Frauenwahlrecht in Dänemark
Nur wenige Jahrzehnte später schrieb Dänemark erneut Geschichte. Am 5. Juni 1915 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Das Land gehörte damit zu den Vorreitern politischer Gleichberechtigung.
1945: Die Siegermächte übernehmen Deutschland
Einen Monat nach Kriegsende in Europa übernahmen die Alliierten am 5. Juni 1945 offiziell die Regierungsgewalt in Deutschland. Das Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Diese Entscheidung prägte die europäische Nachkriegsgeschichte und führte später zur Teilung Deutschlands.
1947: Der Marshallplan wird angekündigt
Am 5. Juni 1947 stellte US-Außenminister George C. Marshall sein europäisches Wiederaufbauprogramm vor. Der sogenannte Marshallplan unterstützte zahlreiche Staaten beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.
Auch Frankreich profitierte erheblich von den Investitionen. Viele Historiker sehen darin einen Grundstein für den wirtschaftlichen Aufschwung Westeuropas und die spätere europäische Integration.
1967: Beginn des Sechstagekriegs
Am 5. Juni 1967 begann der Krieg zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten. Innerhalb weniger Tage veränderten sich die politischen und territorialen Verhältnisse im Nahen Osten grundlegend. Die Folgen dieses Konflikts wirken bis in die Gegenwart nach.
1968: Attentat auf Robert F. Kennedy
In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1968 wurde der amerikanische Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy in Los Angeles angeschossen. Einen Tag später erlag er seinen Verletzungen. Das Attentat erschütterte die USA nur wenige Monate nach der Ermordung von Martin Luther King Jr..
1981: Erste offizielle Berichte über AIDS
Am 5. Juni 1981 veröffentlichten US-Gesundheitsbehörden einen Bericht über eine bis dahin rätselhafte Immunschwächekrankheit. Daraus entwickelte sich die weltweite Erkenntnis über AIDS und HIV. Millionen Menschen waren betroffen, zugleich entstanden neue Formen internationaler Gesundheitsforschung und Aufklärung.
Kuriose und kulturelle Notizen
Manchmal schreibt auch die Kulturgeschichte ihre Spuren an diesem Datum:
- 1851 begann die Veröffentlichung von Onkel Toms Hütte als Fortsetzungsroman.
- Der 5. Juni gilt seit 1973 außerdem als Weltumwelttag der Vereinte Nationen.
- In vielen Ländern finden an diesem Tag Aktionen für Klima- und Naturschutz statt.
Wer hätte gedacht, dass ein einziger Tag sowohl eine Pariser Barrikadenrevolte, den Vorabend der Befreiung Frankreichs, den Marshallplan und den Beginn der modernen AIDS-Forschung miteinander verbindet?