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Nachrichten.fr · December 16, 2025

60,9 Millionen Euro für Mbappé – wie das Arbeitsrecht den PSG einholt

An diesem Dienstag hat Paris nicht nur über Fußball gesprochen. In einem nüchternen Sitzungssaal, weit entfernt von Flutlicht und Fangesängen, fällte der Conseil de prud’hommes ein Urteil, das noch lange nachhallen dürfte. Der Arbeitsgerichtshof der französischen Hauptstadt verurteilte Paris Saint-Germain zur Zahlung von rund 60,9 Millionen Euro an Kylian Mbappé. Es geht um ausstehende Gehälter und Prämien aus den letzten Monaten seines Vertrags, um Geld, das zugesagt war, aber nicht floss. Und es geht um eine Grundsatzfrage: Wie verbindlich sind Verträge im Profifußball, wenn die Summen astronomisch werden und die Machtverhältnisse kippen?

Die Entscheidung setzte einen vorläufigen Schlusspunkt unter einen der spektakulärsten Rechtsstreite, die der französische Fußball in den vergangenen Jahren erlebt hat. Mbappé, über Jahre das Gesicht des Projekts PSG, hatte den Klub im Sommer 2024 ablösefrei Richtung Real Madrid verlassen. Der sportliche Abschied verlief kühl, der juristische Nachhall umso lauter. Kurz nach dem Ende seines Arbeitsverhältnisses ließ der Stürmer prüfen, warum für die Monate April, Mai und Juni bestimmte Zahlungen ausgeblieben waren. Die Antwort fand er nicht im Verein, sondern vor Gericht.

Der Conseil de prud’hommes stellte klar fest, dass diese Beträge geschuldet waren. Gemeint sind reguläre Gehälter, vertraglich fixierte Prämien sowie jene sogenannten Ethikprämien, die im modernen Fußball gern als Instrument der Disziplinierung dienen. Der Klub argumentierte, diese Zahlungen stünden unter Vorbehalt, seien an Loyalität oder Verhalten geknüpft. Das Gericht folgte dieser Lesart nicht. Verträge, so der Tenor, gelten auch dann, wenn sie von Superstars unterschrieben wurden.

Damit schrumpfte ein Streit, der zeitweise groteske Dimensionen angenommen hatte, auf sein juristisches Kernstück. Mbappé und seine Anwälte hatten zu Beginn des Verfahrens deutlich mehr gefordert. Im Raum standen bis zu 263 Millionen Euro, begründet mit dem Vorwurf einer unrechtmäßigen Vertragsgestaltung, mit Anschuldigungen von moralischem Druck und unlauterer Vertragsausführung. Auf der anderen Seite konterte der PSG mit einer Gegenforderung, die fast schon trotzig wirkte. Rund 440 Millionen Euro verlangte der Klub, wegen Imageschadens und entgangener Transfererlöse. Man spürte in diesen Zahlen weniger juristische Präzision als gekränkten Stolz.

Das Gericht entzog sich diesem Schlagabtausch. Es urteilte nicht über Befindlichkeiten, sondern über Arbeitsrecht. Übrig blieb eine Summe, die immer noch gigantisch wirkt, die jedoch sauber hergeleitet ist. Geld für Arbeit, die geleistet wurde. Geld, das vertraglich zugesichert war. Nicht mehr, nicht weniger.

In Mbappés Umfeld wurde das Urteil als Sieg der Rechtsstaatlichkeit gefeiert. Seine Anwälte sprachen von einem Signal an eine Branche, die sich allzu oft als Sonderwelt begreift. Wer Arbeitnehmer beschäftigt, müsse zahlen, Punkt. Auch dann, wenn der Arbeitnehmer ein globaler Superstar sei, dessen Name Trikots verkauft und Stadien füllt. Ein bisschen Genugtuung schwang mit, vielleicht auch Erleichterung. Endlich Klarheit, endlich ein Haken an eine Geschichte, die sich wie Kaugummi gezogen hatte.

Beim PSG klang alles deutlich gedämpfter. Offiziell zeigte sich der Klub reserviert, prüfte rechtliche Schritte, ließ offen, ob der Weg in die nächste Instanz beschritten wird. Ein Berufungsverfahren würde den Konflikt verlängern, ihn erneut auf die Titelseiten heben. Für einen Verein, der sich gern als modernes, professionell geführtes Unternehmen präsentiert, ist das Urteil bereits jetzt ein Imageproblem. Es fügt sich ein in eine Reihe von Episoden, die das Verhältnis zwischen Klubführung und Spielern in den vergangenen Jahren belastet haben.

Über den Einzelfall hinaus entfaltet die Entscheidung eine größere Wirkung. Sie erinnert daran, dass der Profifußball kein rechtsfreier Raum ist. Verträge mit komplizierten Bonusregelungen, Loyalitätsklauseln und moralischen Nebenabreden stoßen dort an Grenzen, wo das Arbeitsrecht klare Linien zieht. Der Conseil de prud’hommes machte unmissverständlich deutlich, dass auch hochdotierte Spieler Angestellte sind, mit Rechten und Ansprüchen.

In Gesprächen mit Juristen fällt ein Satz immer wieder: Dieses Urteil könnte Schule machen. Nicht als formale Präzedenzentscheidung, wohl aber als Orientierung. Klubs werden genauer hinschauen müssen, wie sie Verträge formulieren und umsetzen. Spieler wiederum dürften sich ermutigt fühlen, ihre Ansprüche notfalls gerichtlich durchzusetzen. Das Machtgefüge verschiebt sich ein Stück weit zurück in Richtung Rechtssicherheit.

Für Mbappé selbst dürfte das Kapitel emotional abgeschlossen sein. Sportlich hat er in Madrid längst ein neues Leben begonnen. Die Vergangenheit in Paris bleibt ambivalent, voller Rekorde und unerfüllter Versprechen. Das Urteil aus Paris schreibt dieser Geschichte nun einen letzten, nüchternen Absatz hinzu. Kein Pathos, kein Drama, nur Zahlen und Paragrafen. Aber manchmal erzählen gerade die die ehrlichsten Geschichten.

Und irgendwo zwischen den Schlagzeilen bleibt die Erkenntnis, dass selbst im schillernden Kosmos des Spitzenfußballs am Ende ein alter Grundsatz gilt: Vereinbarungen binden. Auch dann, wenn sie Millionen wert sind. Oder gerade dann.

Von C. Hatty