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Daniel Ivers · 23.06.2026

Affäre Lyhanna: Innenminister fordert Verantwortung der Richter und leitet Untersuchung ein

Paris – 23.06.2026: Nach dem tragischen Tod der 11-jährigen Lyhanna im Mai 2026 hat der französische Innenminister Laurent Nuñez die Verantwortung der Richter betont und eine umfassende Untersuchung eingeleitet, um die Zuständigkeiten aller Beteiligten zu klären.

Lyhanna war am 29. Mai 2026 in Fleurance im Département Gers verschwunden. Ihr lebloser Körper wurde am 4. Juni 2026 in einem verlassenen Silogebäude in Puycasquier entdeckt. Die Ermittlungen ergaben, dass sie vor ihrem Tod Opfer sexueller Gewalt geworden war. Der Hauptverdächtige, Jérôme Barella, ein 41-jähriger Mann und Vater einer Freundin von Lyhanna, war bereits in der Vergangenheit wegen ähnlicher Vorwürfe bekannt, war jedoch vor ihrem Verschwinden nicht vernommen worden.

In einer Pressekonferenz am 22. Juni 2026 erklärte Innenminister Nuñez, die Verantwortung der Richter sei in einer Demokratie keineswegs ein Tabuthema. Er kritisierte das Versagen der Schutzkette und beauftragte die Generalinspektion der Gendarmerie nationale mit einer Untersuchung, um die Rolle und mögliche Versäumnisse jedes einzelnen Beteiligten zu prüfen.

Bereits zuvor hatten die Generalinspektionen der Gendarmerie nationale und der Justiz in einem gemeinsamen Bericht vom 22. Juni 2026 schwerwiegende Mängel bei der Bearbeitung einer Anzeige aus dem August 2025 gegen Barella festgestellt. Der Bericht bemängelte zentrale Fehler, Nachlässigkeiten und Unterlassungen auf verschiedenen Ebenen der Justiz und Ermittlungsbehörden.

Als Konsequenz ordnete Minister Nuñez am selben Tag eine administrative Untersuchung an und versetzte zwei Gendarmen, darunter den Ermittlungsleiter und den Kompaniechef von Condom, in andere Funktionen. Dies geschah unmittelbar nach der Veröffentlichung des Berichts, der erhebliche Versäumnisse bei der Bearbeitung der Anzeige gegen Barella aufzeigte.

Der Syndicat de la Magistrature kritisierte die Darstellung und Maßnahmen des Justizministers Gérald Darmanin, der vor Abschluss der administrativen Untersuchung bereits Verantwortliche benannt und Sanktionen angekündigt hatte. Der Syndikat forderte stattdessen eine Auseinandersetzung mit den seit Jahren bestehenden strukturellen Problemen, darunter die hohe Verfahrensbelastung und die unzureichende Priorisierung von Fällen sexueller Gewalt gegen Minderjährige.

Premierminister Sébastien Lecornu äußerte sich ebenfalls zu den Ergebnissen des Berichts. Er bedauerte das Versagen der Schutzkette und unterstrich die Notwendigkeit, Verantwortlichkeiten präzise zu klären und entsprechende individuelle Konsequenzen zu ziehen. Gleichzeitig warnte er davor, die gesamte Justiz oder die Gendarmerie nationale pauschal zu verurteilen.

Die Affäre Lyhanna hat eine intensive öffentliche Debatte über die Effizienz und Verantwortlichkeit der Justizbehörden in Frankreich ausgelöst. Die laufenden Untersuchungen sollen nun umfassende Klarheit über die Abläufe und Versäumnisse in diesem tragischen Fall verschaffen und dazu beitragen, zukünftige Schutzlücken zu schließen.