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NEWSDESK · 20.07.2026

Alain Ducasse: Der Koch, der die Welt als Speisekammer begriff

Paris – 20.07.2026: Ein Porträt der Sendereihe "Ces destins qui font l'info" widmet sich an diesem Montag dem weltweiten Aufstieg Alain Ducasses. Der 1956 in den Landes geborene Koch wurde zur Ausnahmefigur einer Branche, die ihre Genies gern an den Herd bindet. Ducasse jedoch verstand früh, dass die französische Küche auch reisen kann, ohne ihre Grammatik zu verlieren.

Seine Laufbahn begann mit sechzehn Jahren in Südwestfrankreich und führte ihn zu Lehrmeistern wie Michel Guérard, Gaston Lenotre, Alain Chapel und Roger Verge. Von ihnen lernte er nicht bloß technische Strenge, sondern das Vertrauen in das Produkt. Diese Haltung blieb der rote Faden seines Werks: Geschmack soll nicht verkleidet, sondern präzise herausgearbeitet werden.

1984 wurde seine Karriere jäh unterbrochen. Ducasse überlebte als einziger Insasse einen Flugzeugabsturz schwer verletzt. Die lange Rekonvaleszenz zwang den jungen Küchenchef zur Geduld, einer Tugend, die im Rausch des Erfolgs selten modisch ist. Sie änderte aber offenbar nichts an seinem Ehrgeiz, sondern gab ihm eine neue, fast unbeirrbare Richtung.

In Monaco gelang ihm der entscheidende Durchbruch. Das Restaurant Le Louis XV im Hotel de Paris erhielt 1990 drei Michelin-Sterne und schrieb damit Geschichte als erstes Hotelrestaurant mit der höchsten Auszeichnung des Guides. Später baute Ducasse seine Adresse zu einem Symbol jener mondänen, doch nie ganz leichtfertigen Riviera-Küche aus, in der Gemüse, Fisch und südliche Aromen den Ton angeben.

Paris und New York wurden die nächsten Etappen. Mit Restaurants im Plaza Athenee und im Essex House erreichte Ducasse 2005 gleichzeitig drei Sterne an drei verschiedenen Häusern in Monaco, Paris und New York. Dieser Rekord war weniger eine Ansammlung glänzender Embleme als das Zeichen eines neuen Berufsbildes: Der Koch wurde zum Unternehmer, Ausbilder, Verleger und Kurator eines weit verzweigten Geschmacksuniversums.

Ducasses weltläufiges Modell erschöpfte sich dabei nie im Export einer unveränderten Haute Cuisine. In Tokio, London, Doha, New York oder Macau sucht seine Gruppe die Begegnung mit lokalen Produkten und Traditionen. Das französische Essen erscheint bei ihm nicht als starres Denkmal, sondern als Kunst der Übersetzung. Man könnte auch sagen: als Diplomatie mit Butter, allerdings mit bemerkenswerter Disziplin.

Heute steht neben den Restaurants ein Netzwerk aus Kochschulen, Manufakturen, Gasthäusern und Beratungsprojekten. Alain Ducasse verkörpert damit eine französische Gastlichkeit, die ihren Anspruch nicht im Prunk, sondern in Aufmerksamkeit erkennt: für den Ursprung einer Zutat, für Handwerk und Service, für die Erinnerung, die ein Essen hinterlassen kann. Sein Weltreich ist aus Tellern gebaut, aber seine eigentliche Währung bleibt der Geschmack.

Quellen

  • franceinfo
  • DUCASSE Paris
  • Ecole Ducasse
  • Guide Michelin