Paris – 05.06.2026: Ab dem 1. Januar 2027 werden die Bedingungen für den Cumul emploi-retraite, also die gleichzeitige Inanspruchnahme einer Rente und Ausübung einer beruflichen Tätigkeit, erheblich verschärft. Die Reformen zielen darauf ab, die Erwerbstätigkeit bis ins höhere Alter zu fördern, könnten jedoch viele Rentner vor finanzielle Herausforderungen stellen.
Der Cumul emploi-retraite erlaubt es bisher, Rente zu beziehen und gleichzeitig einer Beschäftigung nachzugehen. Bisher konnten Rentner ihre volle Rente behalten, sofern sie ihre Rentenansprüche vollständig ausgeschöpft hatten. Ab 2027 wird diese Praxis deutlich eingeschränkt: Es wird keine Unterscheidung mehr zwischen vollem und teilweisem Cumul empleo-retraite geben. Stattdessen bestimmt allein das Alter des Rentners die Höhe der Rentenzahlungen bei gleichzeitiger Erwerbstätigkeit.
Für Rentner, die vor dem gesetzlichen Rentenalter von 64 Jahren ihre Rente beziehen, wird die Rentenzahlung vollständig gekürzt, sobald sie Einkommen aus einer Berufstätigkeit erzielen. Das bedeutet, dass jeder Euro aus Arbeit zu einer direkten Kürzung der Rente führt – wodurch der finanzielle Anreiz, nebenher zu arbeiten, drastisch sinkt.
Zwischen 64 und 67 Jahren wird ein teilweiser Cumul möglich sein, wobei die Rente um 50 % des überschrittenen Betrags eines Einkommensschwellenwerts gekürzt wird. Diese Schwelle wird voraussichtlich bei 7.000 Euro jährlich liegen. Erst ab 67 Jahren ist der volle Bezug von Rente und Arbeitseinkommen wieder erlaubt; zudem können Rentner in diesem Alter neue Rentenanwartschaften erwerben.
Diese Umgestaltung soll die finanzielle Nachhaltigkeit des Rentensystems sichern und den Anreiz setzen, länger erwerbstätig zu bleiben. Allerdings reduzieren die strengen Regeln die Attraktivität einer parallelen Beschäftigung für viele Rentner erheblich und können ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern.
Die Ankündigung hat in der Öffentlichkeit für Debatten gesorgt, da viele Erwerbstätige kurz vor dem Ruhestand ihre weiteren beruflichen Pläne überdenken müssen. Selbst für diejenigen, die eine spätere Rente anstreben, könnten die Regelungen eine stärkere finanzielle Belastung bei gleichzeitiger Arbeit bedeuten.
Die Reform ist Teil eines breiteren Plans der französischen Regierung, der auf eine Anhebung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer abzielt. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und die Belastung der Rentenkassen will der Staat so langfristig die finanzielle Stabilität des Systems erhöhen – nicht ohne Kontroversen seitens Gewerkschaften und Rentnervertretern.
Der Cumul emploi-retraite war bisher ein Instrument, das Flexibilität und finanzielle Vorteile für Rentner bot, jetzt wird das Modell deutlich restriktiver. Die nächsten Monate werden zeigen, wie die Betroffenen und der Arbeitsmarkt auf die neuen Bedingungen reagieren.
Quellen
- Service Public
- Cavom
- Service des Retraites de l'État