Paris – 09.06.2026: Die Animateure der Pariser Schulen setzen ihren Arbeitskampf fort und rufen bis zum 16. Juni zu einem Streik auf. Anlass sind der anhaltende Personalmangel in der Périscolaire-Abteilung und das aus Sicht der Beschäftigten bestehende allgemeine Misstrauen gegenüber ihrer Arbeit.
Der Streik betrifft insbesondere die Mittagszeit von 11:30 bis 12:30 Uhr, was zur teils vorübergehenden Schließung von Kantinen führt. Die intersindikale Vereinigung, bestehend aus Unsa, Supap-FSU, CFDT, CGT, FO, UCP und CFTC, mobilisiert die rund 14.000 Animateure der Pariser Schulen und kündigt für den 16. Juni eine Demonstration anlässlich der Eröffnung des Pariser Stadtrats an.
Schon die vorherige Streikaktion zwischen dem 11. und 22. Mai hatte erhebliche Auswirkungen: Damals waren fast 400 Schulen betroffen, und etwa 2.000 Mitarbeiter der Périscolaire nahmen an einer Demonstration teil. Laut Nicolas Léger von der Gewerkschaft Supap-FSU hat sich an den Forderungen seither nichts geändert. Die Animateure wollen vor allem mehr Personal, um die Betreuung der Kinder besser gewährleisten zu können.
Der neue sozialistische Bürgermeister Emmanuel Grégoire hatte vergangene Woche Gespräche mit den Gewerkschaften geführt. Er verweist auf die laufende Bürgerkonvention über die Zeiten des Kindes, deren Ergebnisse Ende Juni veröffentlicht werden. Diese soll die Organisation der Périscolaire reformieren und die Sicherheit der betreuten Kinder erhöhen. Ein Ziel ist beispielsweise, dass künftig kein Animateur mehr alleine mit einem Kind arbeiten soll.
Darüber hinaus plant die Stadt Paris im Juli, im Rahmen eines Nachtragshaushalts zusätzliche soziale Maßnahmen vorzustellen. Die Gewerkschaften sind jedoch skeptisch und befürchten, dass die vorgesehenen Stellenaufstockungen lediglich den bereits Beschäftigten einen rechtlichen Status geben, ohne das grundlegende Problem des chronischen Personalmangels zu lösen oder die gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel einzuhalten.
Ein weiterer Kritikpunkt der Gewerkschaften ist das „allgemeine Misstrauen“ innerhalb der Abteilung, das seit dem Aktionsplan der Stadt gegen sexuelle Gewalt im Périscolaire spürbar zugenommen habe. So kam es seit Anfang 2026 zu 78 Suspendierungen städtischer Mitarbeiter, davon 31 aufgrund von Verdachtsfällen sexueller Gewalt. Viele Suspendierungen erfolgten ohne begleitende Unterstützung für die Betroffenen und oft wegen Vorwürfen pädagogischer Gewalt im Alltag.
Die Animateure wollen mit ihrem Streik und der geplanten Demonstration auf die schwierigen Arbeitsbedingungen aufmerksam machen und politischen Druck für nachhaltige Veränderungen erzeugen. Die Lage in der Périscolaire-Abteilung bleibt angespannt, da weder perspektivisch ausreichende Personalmittel zugesagt noch das Betriebsklima verbessert wurde.
Quellen
- TF1 Info