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Daniel Ivers · 14.06.2026

Annulation der Theateraufführung „Passeport” in Castres sorgt für Kontroverse

Castres – 14.06.2026: Die Entscheidung der Stadtverwaltung von Castres, die für Februar 2027 geplante Aufführung des Theaterstücks „Passeport" von Alexis Michalik zu annullieren, hat für erhebliche Kontroversen gesorgt. Alexis Michalik, Autor und Regisseur des Stücks, verurteilte die Maßnahme als einen „Angriff auf die künstlerische Freiheit" und sprach von einer „ideologisch motivierten Entscheidung". Er warnte vor einer Einschränkung der Unabhängigkeit von Kultur und Kunst durch politische Intervention.Die Bürgermeisterin von Castres, Florian Azéma, die der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) angehört und im März 2026 gewählt wurde, verteidigte die Absage. Nach ihren Worten stehe die Stadtverwaltung in ihrem Recht, die kulturelle Programmierung zu überprüfen und an die politischen Leitlinien der neuen Mehrheitsfraktion anzupassen. Sie führte aus, dass das Stück „Passeport" nicht den Verpflichtungen der Stadt entspreche und öffentliche Mittel nicht für „eine derart politisch geprägte Produktion" eingesetzt werden sollten.„Passeport" erzählt die Geschichte von Issa, einem jungen Migranten aus Eritrea, der am Rande des sogenannten „Dschungels von Calais" lebt und verzweifelt versucht, einen Aufenthaltstitel in Frankreich zu erhalten. Seit der Premiere im Januar 2024 wurde das Stück in Paris mehr als 750 Mal aufgeführt und in fast 80 weiteren französischen Städten präsentiert. Es gilt als bedeutendes Werk, das sich mit Flucht, Migration und menschlichen Schicksalen auseinandersetzt.Die Absage hat landesweit Debatten über die Rolle der Politik in der Kulturförderung entfacht. Gegner der RN-Entscheidung werfen der neuen Leitung in Castres vor, die kulturelle Vielfalt zu beschneiden und Freiheit sowie Vielfalt der Kunst politisch zu instrumentalisieren. Alexis Michalik selbst spricht von einer „ideologischen Selektion" und fordert eine klare Trennung von Kultur und politischer Einflussnahme.Der Streit wirft grundsätzliche Fragen zur Kulturpolitik in Frankreich auf, insbesondere zur Finanzierung durch öffentliche Mittel und der politischen Kontrolle über kulturelle Inhalte. In der französischen Kulturszene wächst die Sorge um die Unabhängigkeit von Theater und anderen Kunstformen angesichts eines politischen Klimas, das immer stärker ideologische Maßstäbe anlegt.Auch europäische Stimmen mischen sich ein: Aleksandar Nikolic, Europaabgeordneter der RN, erklärte im Interview, dass die Steuergelder der Einwohner von Castres nicht für Werke verwendet werden sollten, die „totale ideologische Positionen vertreten". Diese Aussage wurde in künstlerischen und politischen Kreisen scharf kritisiert und als Versuch gewertet, Kunst und Kultur politisch zu vereinnahmen.Wie sich die Situation weiterentwickelt und ob andere Kommunen in Frankreich ähnliche Entscheidungen treffen werden, bleibt offen. Fest steht, dass diese Kontroverse die Debatte über die Freiheit der Kunst und die Grenzen politischer Einflussnahme im Kulturbetrieb neu entfacht hat.