Paris – 11.06.2026: In der französischen Nationalversammlung fand am 11. Juni 2026 die zweite Lesung eines Gesetzentwurfs zur Nationalisierung von ArcelorMittal France statt. Nach der ersten Zustimmung im November 2025 und der Ablehnung im Senat im Februar 2026 wurde das Vorhaben erneut debattiert. Die erneute Lesung wurde von der Gewerkschaft CGT und linken Abgeordneten begleitet, die zuvor mit einer Demonstration ihre Unterstützung zeigten.
Die Demonstration vor der Nationalversammlung wurde von der CGT ArcelorMittal und der Fédération CGT de la métallurgie organisiert. Es beteiligten sich mehrere hundert Teilnehmer, darunter Beschäftigte aus französischen Stahlwerken und Vertreter linker Parteien wie Jean-Luc Mélenchon, Clémentine Autain, François Ruffin, Benjamin Lucas und Raphaël Arnault. Auch Sophie Binet, Generalsekretärin der CGT, unterstützte den Protest. Sie forderten die verstärkte Kontrolle des Stahlriesen durch den Staat, um Industriearbeitsplätze zu sichern und die industrielle Souveränität Frankreichs zu stärken.
Die Gesetzesinitiative wurde von der Abgeordneten Aurélie Trouvé und Mitgliedern der Fraktion La France insoumise-Nouveau Front populaire eingebracht. Sie sieht die Verstaatlichung des Unternehmens vor, verbunden mit der Einsetzung einer Kommission zur Bewertung des Unternehmenswerts für einen möglichen Staatsankauf. Die Unterstützer argumentieren, dass eine staatliche Kontrolle notwendig sei, um die Stahlproduktion in Frankreich langfristig zu sichern.
Dem stehen Gegner aus der Regierung und dem Senat gegenüber. Sie warnen vor den finanziellen Belastungen und möglicher Wettbewerbsnachteile für die Branche. Statt einer Verstaatlichung schlagen sie Investitionen in umweltfreundliche Technologien wie die Dekarbonisierung vor.
Trotz der Kontroverse stimmte die Nationalversammlung dem Gesetz erneut zu. Die endgültige Entscheidung liegt nun beim Senat, der in der ersten Lesung dagegen votierte. Sollte der Senat zustimmen, wäre dies ein bedeutender Schritt in der französischen Industriepolitik.
ArcelorMittal selbst verweist auf seine Investitionsstrategie, etwa den Bau eines Elektroofens mit einem Budget von 1,3 Milliarden Euro in Dunkerque, und betont, dass eine Nationalisierung nicht die Herausforderungen der Branche lösen würde. Das Unternehmen sieht sich weiterhin als wichtigen Akteur für die Stahlfertigung in Frankreich.
Die Debatte um die Nationalisierung von ArcelorMittal prägt die Diskussion um die industrielle Zukunft Frankreichs, insbesondere in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und den Einfluss staatlicher Eingriffe. In den kommenden Wochen wird die Entscheidung des Senats mit Spannung erwartet, da sie maßgeblich die Richtung der nationalen Industriepolitik bestimmen dürfte.
Diese Auseinandersetzung verdeutlicht die weitreichenden Herausforderungen, vor denen die französische Stahlindustrie steht, besonders hinsichtlich ökonomischer Stabilität, ökologischer Transformation und politischer Steuerung. Der Ausgang könnte Vorbildcharakter für weitere Branchen haben und den Umgang des Staates mit Schlüsselindustrien neu definieren.
Quellen
- ArcelorMittal
- CGT
- La France insoumise
- Nationalversammlung
- Sophie Binet