Wer in der Ardèche künftig mit dem Smartphone in der Hand am Steuer erwischt wird, muss mit deutlich härteren Konsequenzen rechnen als bisher. Der Präfekt des Départements, Benoît Trévisani, hat eine Maßnahme verteidigt, die in Frankreich bereits für Diskussionen sorgt: Seit dem 1. Juni kann die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt nicht nur ein Bußgeld und Punkteverlust nach sich ziehen, sondern auch eine sofortige Aussetzung des Führerscheins.
Für den Präfekten steht die Begründung außer Frage. Die Zahl der Verkehrstoten in der Ardèche hat ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Bereits in den ersten Monaten des Jahres verloren 19 Menschen auf den Straßen des Départements ihr Leben. Damit wurde schon jetzt die Gesamtzahl der Todesopfer des Vorjahres erreicht. Aus Sicht der Behörden reicht es daher nicht mehr aus, lediglich auf bestehende Sanktionen zu setzen.
Die Ardèche zählt zu den ländlich geprägten Regionen Frankreichs. Viele Menschen sind auf das Auto angewiesen, öffentliche Verkehrsmittel spielen außerhalb größerer Orte oft nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig prägen kurvenreiche Straßen und anspruchsvolle Strecken das Landschaftsbild. Schon eine kurze Ablenkung kann dort schwerwiegende Folgen haben.
Bislang drohten Autofahrern bei der Nutzung eines Handys am Steuer ein Bußgeld von 135 Euro sowie der Verlust von drei Punkten im Führerscheinregister. Eine Führerschein-Suspendierung kam in der Regel erst infrage, wenn zusätzlich ein weiterer Verkehrsverstoß festgestellt wurde. Mit der neuen Regelung geht die Ardèche nun deutlich weiter. Die zuständigen Behörden können künftig unmittelbar eine administrative Fahrpause von bis zu einem Monat verhängen.
Die Entscheidung fügt sich in eine breitere Strategie ein. Unter dem Motto „Null Toleranz gegen die Straßenunsicherheit“ verschärft die Präfektur seit Monaten ihre Maßnahmen gegen riskantes Verhalten im Straßenverkehr. Das Smartphone gilt dabei als einer der größten Gefahrenfaktoren. Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass bereits wenige Sekunden Unaufmerksamkeit ausreichen, um eine gefährliche Situation entstehen zu lassen.
Ganz allein steht die Ardèche mit ihrem Vorgehen nicht da. Auch andere französische Départements haben ähnliche Maßnahmen eingeführt. Dort berichten die Behörden von einem Rückgang der festgestellten Handyverstöße. Ob sich dieser Effekt langfristig bestätigt, bleibt abzuwarten.
Die neue Regelung dürfte die Debatte über Verkehrssicherheit und individuelle Freiheit weiter anheizen. Für die Verantwortlichen in der Ardèche überwiegt jedoch ein anderes Argument: Jeder vermiedene Unfall und jedes gerettete Menschenleben rechtfertigen aus ihrer Sicht die verschärften Maßnahmen. Wer während der Fahrt aufs Display blickt, riskiert eben weit mehr als nur ein Bußgeld.
Andreas M. B.