Arles – 18.06.2026: Bürgermeister Patrick de Carolis hat den "Appell vom 18. Juni" ins Leben gerufen, um gegen das geplante Projekt einer Hochspannungsleitung in der Camargue Stellung zu beziehen. Er fordert den Staat auf, "ausgewogene Lösungen" zu finden, die sowohl den Energiebedarf decken als auch die Umwelt schützen. Gegner des Projekts, darunter lokale Umweltorganisationen und Bürger, verlangen finanzielle Anstrengungen, um Teile der Leitung unter Wasser zu verlegen und so die Auswirkungen auf die Landschaft zu minimieren.
Das umstrittene Projekt sieht den Bau einer 400-kV-Hochspannungsleitung vor, die von Jonquières (Département Gard) bis nach Fos-sur-Mer (Département Bouches-du-Rhône) verlaufen soll. Die geplante Strecke von etwa 65 Kilometern würde durch das Naturschutzgebiet der Camargue führen und den Bau von rund 180 Masten zwischen 50 und 90 Metern Höhe erfordern. Befürworter argumentieren, dass die Leitung notwendig sei, um die regionale Stromversorgung zu sichern und die Dekarbonisierung der Industriezone Marseille/Fos-sur-Mer zu unterstützen.
Allerdings stößt das Projekt auf erhebliche Widerstände. Etwa 150 Aktivisten versammelten sich kürzlich in Arles, um gegen das Vorhaben zu protestieren und es als "tödlich" für die Region zu bezeichnen. Sie betonen die Bedeutung der Camargue als eines der größten und vielfältigsten Feuchtgebiete Europas und warnen vor den potenziellen Schäden für die Umwelt und die lokale Wirtschaft.
Patrick de Carolis, der sowohl Bürgermeister von Arles als auch Präsident des Regionalen Naturparks Camargue ist, hat wiederholt seine Bedenken geäußert. Er betonte die Notwendigkeit, den Spagat zwischen industrieller Entwicklung und dem Schutz der Umwelt zu meistern. In einer früheren Stellungnahme erklärte er, dass er die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen des Projekts verstehe, jedoch die vorgeschlagenen Lösungen als "inakzeptabel" empfinde.
Die Diskussion um das Projekt hat auch politische Dimensionen angenommen. Der Stadtrat von Arles lehnte kürzlich einen Vorschlag für eine Bürgerbefragung zum Thema ab, was zu weiteren Spannungen führte. Gegner des Projekts fordern nun verstärkte Anstrengungen, um alternative Lösungen zu finden, die weniger invasiv für die Umwelt sind.
Insgesamt bleibt die Situation angespannt. Während die Befürworter des Projekts auf die Notwendigkeit der Energieversorgung und die Dekarbonisierung der Industrie hinweisen, betonen die Gegner die Bedeutung des Umweltschutzes und der Wahrung des kulturellen Erbes der Region. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um eine Lösung zu finden, die den unterschiedlichen Interessen gerecht wird.
Die Diskussion um das Hochspannungsleitung-Projekt in der Camargue verdeutlicht die komplexen Herausforderungen, die bei der Balance zwischen Energiebedarf und Umweltschutz bestehen. Es bleibt abzuwarten, welche Kompromisse gefunden werden können, um sowohl den ökologischen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.