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Jean-Paul Huber · 08.06.2026

Bally Bagayoko verweist Recht auf den Slogan „On est chez nous“ zurück an die Republik

Saint-Denis – 08.06.2026: Bally Bagayoko, Bürgermeister von Saint-Denis und Mitglied der linken Plattform La France Insoumise (LFI), stellte am 8. Juni klar, dass der Slogan „On est chez nous“ nicht der extremen Rechten vorbehalten sei. In der Fernsehsendung „Les 4 Vérités“ betonte er, dass alle Menschen, die sich als Teil der französischen Republik verstehen, das Recht hätten, diesen Ausdruck für sich zu beanspruchen.

Diese Stellungnahme folgte unmittelbar nach dem ersten Wahlkampfauftritt von Jean-Luc Mélenchon in Saint-Denis, der für die linke Bewegung eine symbolische Bedeutung besitzt. Mélenchon hatte den Slogan „On est chez nous“ für seine Kampagne aufgenommen, um das Zugehörigkeitsgefühl der Bürger zur Republik zu stärken. Bagayoko erklärte, dieser Ausdruck dürfe nicht von der extremen Rechten monopolisiert werden, die ihn für nationalistische Zwecke instrumentalisiere.

Der Slogan war in den vergangenen Jahren vor allem durch rechte Gruppierungen geprägt worden, die ihn als Ausdruck eines exklusiven Nationalgefühls nutzten. Bagayoko widersprach dieser Vereinnahmung und betonte, dass der Ausdruck auch für multikulturelle Gesellschaften stehe, die in der Republik zusammenleben. Er rief dazu auf, die politische Auseinandersetzung um solche Begriffe nicht der extremen Rechten zu überlassen.

Die Debatte um den Slogan erfolgt vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Polarisierung in Frankreich. Themen wie Integration, Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit sind seit Langem umstritten und werden im Wahlkampf von verschiedenen Parteien unterschiedlich interpretiert. Mélenchons Linke positioniert sich hierbei bewusst gegen Ausgrenzung und für eine inklusive Vorstellung von Republikanismus.

Bagayoko hob hervor, dass das Recht auf politische Symbole und Worte nicht exklusiv beansprucht werden könne, solange sie keine Hass- oder Ausschlussbotschaften enthalten. Der Bürgermeister von Saint-Denis sieht in der Nutzung des Slogans durch die Linke eine Rückeroberung für eine inklusive und solidarische Gesellschaftspolitik.

Die Reaktionen auf Bagayokos Aussage waren gemischt. Während die Linke den Schritt begrüßte, kritisierten rechte Parteien die Verwendung des Slogans durch Mélenchon und seine Unterstützer als missbräuchlich. Damit bleibt die Symbolik des Ausdrucks „On est chez nous“ ein umkämpfter politischer Begriff.

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2027 zeigt sich, dass solche sprachlichen Frontstellungen die politische Debatte in Frankreich weiterhin prägen werden. Die Auseinandersetzung um nationale Identität, Integration und Zugehörigkeit bleibt eines der zentralen Themen, dessen Deutung auch maßgeblich durch den Gebrauch politischer Schlüsselbegriffe beeinflusst wird.

Insgesamt illustriert der Streit um den Slogan „On est chez nous“ die tiefgreifende Spannung zwischen verschiedenen politischen Lagern in Frankreich, die sich in der Frage der Zugehörigkeit und des republikanischen Selbstverständnisses manifestiert. Die bevorstehenden Wahlen werden zeigen, wie sich diese Debatten weiterentwickeln und welchen Platz politische Symbole darin einnehmen.

Quellen

  • franceinfo
  • Les 4 Vérités