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Patrice Tiko · 08.07.2026

Bardella begrüßt Le-Pen-Kandidatur für 2027 – und stellt sich als Frontmann der Kampagne auf

La Flèche – 08.07.2026: Jordan Bardella hat am Mittwoch bei einem gemeinsamen Auftritt mit Marine Le Pen in La Flèche (Département Sarthe) bekräftigt, er freue sich, dass Le Pen „unsere Farben tragen könne“ – gemeint ist die Kandidatur des Rassemblement National (RN) für die Präsidentschaftswahl 2027. Er empfinde „weder Erleichterung noch Enttäuschung“ darüber, selbst nicht anzutreten, sagte der Parteichef. Man werde „Hand in Hand“ arbeiten, um den RN frühzeitig kampagnenfähig zu machen.

Der Auftritt erfolgte vor dem Hintergrund der jüngsten Entscheidung der Berufungsinstanz im Fall um mutmaßlich unrechtmäßig beschäftigte Assistenten von Europaabgeordneten. Das Urteil hat eine neue Debattenrunde über die politische Zukunft Le Pens ausgelöst. Aus dem RN hieß es, ein möglicher Gang zur Cour de cassation setze die unmittelbaren Folgen der Berufungsentscheidung aus. Le Pens Umfeld verweist darauf, dass Rechtsmittel den Wahlkalender nicht zwangsläufig beeinträchtigen, betont aber, man bereite parallel die organisatorische Seite des Wahlkampfs vor.

Bardella stellte die Rollenverteilung als abgestimmt dar: Le Pen stehe für Erfahrung, Bekanntheit und die Fähigkeit, den Markenkern des RN zu verkörpern. Er selbst wolle die Partei im Feld halten, Termine takten und – sollte Le Pen 2027 gewinnen – eine Rolle in der Exekutive übernehmen. Solche Arbeitsteilungen hat der RN in der Vergangenheit bereits praktiziert, wenn auch in wechselnder Intensität zwischen der Familie Le Pen und jüngeren Führungspersonen.

Die Reaktionen fallen erwartbar gegensätzlich aus. Für Anhängerinnen und Anhänger des RN signalisiert Le Pens Ankündigung Stabilität. Gegner verweisen auf die juristische Lage und stellen die Frage, ob ein langer Instanzenweg politisch kalkulierbar sei. Beobachter sehen darin vor allem eine Machtdisziplin innerhalb des RN: Die Partei versucht, interne Konkurrenz zu vermeiden und gleichzeitig unterschiedliche Wählersegmente anzusprechen – traditionelle Stammwähler auf der einen, jüngere und online-affine Milieus auf der anderen Seite.

Für die kommenden Monate zeichnet sich ein doppelter Pfad ab: rechtlich die Prüfung durch die höchste Instanz, organisatorisch der Aufbau einer Wahlkampfinfrastruktur mit klaren Zuständigkeiten. Im RN wird mit regionalen Formaten und Großkundgebungen gerechnet, um Präsenz in ländlichen und periurbanen Räumen zu verstetigen. Zugleich dürfte die Partei ihre sozialen und sicherheitspolitischen Themen schärfen, um früh eine Agenda zu setzen. Ob und wie stark juristische Entscheidungen die Dynamik der Kampagne beeinflussen, bleibt von den Fristen der Rechtspflege abhängig – die Parteiführung will sich darauf mit parallel laufender Planung einstellen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Parisien
  • TF1 Info
  • AFP / Boursorama