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Patrice Tiko · 04.07.2026

Bardella bekräftigt vollen Rückhalt für Marine Le Pen – Blick auf Berufungsentscheidung am Dienstag

Liévin – 04.07.2026: Jordan Bardella hat am Samstag bei einer Versammlung des Rassemblement National (RN) in Liévin seinen „vollen Rückhalt“ für Marine Le Pen erneuert und erklärt, er hoffe, sie bei der Präsidentschaftswahl 2027 gewählt zu sehen. Der Auftritt inszenierte parteiinterne Geschlossenheit in einer Phase, in der die Justiz über die politische Zukunft der dreimaligen Präsidentschaftskandidatin mitentscheidet.

Im Zentrum steht die Berufungsverhandlung vor der Cour d'appel de Paris, deren Entscheidung für den 07.07.2026 erwartet wird. Dabei geht es um die in erster Instanz verhängte Freiheitsstrafe und eine mehrjährige Unwählbarkeit gegen Le Pen. Wird diese Unwählbarkeit bestätigt, müsste der RN rasch klären, wer die Rolle der Spitzenkandidatin oder des Spitzenkandidaten für 2027 übernimmt. Bardella hatte in früheren Stellungnahmen betont, im Fall einer rechtlichen Verhinderung Le Pens bereitzustehen.

Für die Partei ist die Frage strategisch heikel: Offiziell gilt Le Pen weiterhin als natürliche Anwärterin, zugleich hält die Führung die Option eines Kandidatenwechsels offen. Bardellas Formulierung spiegelt diese Doppelstrategie wider – Loyalitätsbekundung nach innen, Signale der Handlungsfähigkeit nach außen. Parteifreunde verweisen auf Disziplin und eine eingespielte Kampagnenstruktur, die sich bei Bedarf anpassen lasse. Kritiker warnen indes vor Reibungsverlusten bei Finanzierungsströmen, der Ansprache unentschlossener Wählerinnen und Wähler sowie beim Aufbau eines Präsidentschaftsteams unter veränderten Vorzeichen.

Die juristische Dimension bleibt prägend. Das erstinstanzliche Urteil aus dem März 2025 hat mit der Möglichkeit einer Unwählbarkeit eine außergewöhnliche Lage geschaffen, die in Frankreichs Parteienlandschaft Seltenheitswert hat. Eine Bestätigung durch die Berufungsinstanz würde den Zeitplan des RN verengen. Binnen Wochen müsste die Partei Personalfragen, Programmspitzen und regionale Verankerung für die Präsidentschaftskampagne neu justieren. Fiele das Urteil umgekehrt zu Gunsten Le Pens aus, könnte der RN seine bisherige Planung fortführen und den Fokus auf Mobilisierung, Allianzen in der Parlamentsarbeit und die Erweiterung in die politische Mitte legen.

Politisch betrachtet geht es daher weniger um die Frage, ob der RN geschlossen auftritt, sondern wie widerstandsfähig seine Wahlmaschinerie gegenüber juristischen Unwägbarkeiten ist. Beobachter verweisen auf die starke mediale Präsenz Le Pens und die hohe Bekanntheit Bardellas als organisatorischen Vorteil. Offen bleibt, ob die Partei bei einem späten Wechsel an der Spitze die inhaltliche Erzählung konsistent halten kann. Am Dienstag entscheidet sich, ob der RN am Kurs Le Pen festhält oder in eine Phase beschleunigter Neuaufstellung eintritt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Dauphiné Libéré
  • Le Monde
  • TF1Info