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Patrice Tiko · 15.07.2026

Bellamy rückt Sterbehilfe, Waldbrände und Präsidentschaftswahl in den Mittelpunkt

Paris – 15.07.2026: François-Xavier Bellamy, Europaabgeordneter und führender Vertreter der konservativen Partei Les Républicains im Europäischen Parlament, hat am Mittwochmorgen in der Sendung "8h30 franceinfo" zur Sterbehilfe, zu den Waldbränden und zur Präsidentschaftswahl Stellung genommen. Das Interview fiel auf einen parlamentarisch bedeutsamen Tag: Die Nationalversammlung sollte über das Gesetz zur Einführung einer Hilfe beim Sterben abschließend entscheiden.

Die Debatte um das Lebensende gehört zu den institutionell und ethisch schwierigsten Gesetzesvorhaben dieser Legislaturperiode. Das Vorhaben sieht unter engen Voraussetzungen einen Zugang zur Hilfe beim Sterben für volljährige Personen vor. Erforderlich sind unter anderem eine schwere und unheilbare Erkrankung, eine fortgeschrittene oder unheilbare Krankheitsphase, unerträgliches Leiden sowie die Fähigkeit, einen freien und informierten Willen zu äußern.

Die Nationalversammlung hatte den Text am 30. Juni in neuer Lesung bereits mit 295 gegen 232 Stimmen gebilligt. Der Senat hatte ihn dagegen wiederholt abgelehnt. Nach dem Scheitern der Verständigung zwischen beiden Kammern konnte die Regierung der Nationalversammlung das letzte Wort geben. Parallel dazu ist ein separates Gesetz zur Verbesserung des Zugangs zu palliativer Versorgung bereits am 26. Mai 2026 verkündet worden.

Bellamy gehört innerhalb von Les Républicains zu den profilierten Kritikern einer Liberalisierung der Sterbehilfe. Seine Präsenz am Tag der Schlussabstimmung unterstreicht, dass die Auseinandersetzung nicht allein entlang der üblichen Fraktionsgrenzen verläuft. Bei Fragen des Lebensendes verzichten mehrere politische Gruppen traditionell auf verbindliche Abstimmungsvorgaben, weil sie die persönliche Gewissensentscheidung der Abgeordneten betreffen.

Auch die Waldbrandlage bildete den Hintergrund des Gesprächs. Die Regierung hatte Anfang Juli in Marseille eine interministerielle Krisenzelle einberufen, nachdem Hitze, Trockenheit und Wind die Brandgefahr besonders im Süden des Landes erhöht hatten. Nach Regierungsangaben wurden seit Beginn der Saison bereits rund 7000 Brände registriert; etwa 8700 Hektar Land waren bis Anfang Juli verbrannt. Täglich standen dabei rund 2000 Einsatzkräfte bereit.

Die Verbindung von Brandrisiko und Hitzewellen verschiebt die politische Debatte zunehmend von der unmittelbaren Gefahrenabwehr zu Vorsorge, Flächenmanagement und kommunaler Anpassung. Für die konservative Opposition ist dies zugleich ein Feld, auf dem sie staatliche Handlungsfähigkeit, den Schutz ländlicher Räume und die Ausstattung der Sicherheitsdienste betont. Konkrete Aussagen Bellamys zu einzelnen zusätzlichen Maßnahmen wurden in der Ankündigung des Interviews nicht wiedergegeben.

Mit dem Thema Präsidentschaftswahl verwies die Sendung zudem auf die sich verdichtende Vorbereitung des Wahlkampfs 2027. Für Les Républicains bleibt die strategische Frage zentral, wie die Partei zwischen dem Präsidentenlager, dem Rassemblement National und einer fragmentierten Mitte ein eigenständiges Profil behaupten kann. Bellamy ist dabei als Vizepräsident seiner Partei und als Vertreter der französischen Delegation in der EVP-Fraktion eine gewichtige Stimme.

Quellen

  • franceinfo
  • Assemblée nationale
  • Légifrance
  • info.gouv.fr
  • Les Républicains