London – 15.07.2026: Das Klima des 20. Jahrhunderts existiert im Vereinigten Königreich nach Einschätzung des britischen Wetterdienstes Met Office nicht mehr. Der am Mittwoch veröffentlichte Bericht "State of the UK Climate 2025" ordnet das vergangene Jahr und die jüngste Dekade in langfristige Messreihen ein. Besonders stark verändern sich demnach Temperaturspitzen, warme Nächte, Meeresoberflächentemperaturen und die Verteilung der Niederschlaege.
2025 war laut Met Office das waermste Jahr in der britischen Messreihe, die bis 1884 zurueckreicht. Zugleich lagen die vier vergangenen Jahre allesamt unter den fuenf waermsten jemals registrierten Jahren. Die Dekade von 2016 bis 2025 war im Mittel 1,33 Grad waermer als der Referenzzeitraum 1961 bis 1990. Seit den 1980er Jahren habe sich das Vereinigte Königreich im Durchschnitt um rund 0,25 Grad pro Jahrzehnt erwaermt.
Die Entwicklung zeigt sich besonders bei Hitzeextremen. In einem Gebiet von Kent bis Lincolnshire war der durchschnittlich waermste Tag des Jahres in der Dekade 2016 bis 2025 mehr als 4,5 Grad waermer als zwischen 1961 und 1990. In Greater London hat sich die Zahl der Tage mit mehr als 30 Grad sowie der Naechte mit mehr als 18 Grad im Vergleich dieser Zeitraeume jeweils mehr als vervierfacht.
Der leitende Klimawissenschaftler Mike Kendon erklaerte, früher aussergewoehnliche Wetterlagen wuerden zunehmend als normal wahrgenommen. Selbst während historischer Hitzesommer wie 1976 seien Temperaturen von mindestens 30 Grad im gesamten Vereinigten Königreich im 20. Jahrhundert vergleichsweise selten gewesen. Heute werde in sommerlichen Hitzephasen an manchen Orten regelmäßig mit 35 Grad gerechnet. Das betreffe Haushalte, Staedte, Landwirtschaft und die Gesundheitsvorsorge.
Der Bericht dokumentiert auch eine starke Erwaermung der umliegenden Meere. Für die Gewaesser Nordwesteuropas und den Nordostatlantik wurden 2025 insgesamt 297 Tage mit marinen Hitzewellen erfasst. Das war der hoechste Wert seit Beginn der Vergleichsreihe 1982 und lag deutlich über dem bisherigen Rekord von 178 Tagen im Jahr 2023. Waermere Meere koennen die Lufttemperaturen an Land beeinflussen und belasten marine Oekosysteme.
Auch beim Wasserhaushalt zeigen die Daten gegensaetzliche Risiken. Die Flussabfluesse in England lagen von Maerz bis August 2025 auf dem zweitniedrigsten Stand seit 1961; nur der Sommer 1976 war trockener. Zugleich war das Winterhalbjahr der vergangenen Dekade nasser als die Vergleichsperioden. Seit 1901 stieg der Meeresspiegel rund um das Vereinigte Königreich um etwa 20,1 Zentimeter, wobei zwei Drittel dieses Anstiegs auf die vergangenen drei Jahrzehnte entfallen.
Quellen
- Britischer Wetterdienst Met Office
- Royal Meteorological Society