Paris – 11.06.2026: Bruno Retailleau, ehemaliger Minister des Innern und Präsident der Partei Les Républicains, hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 angekündigt. Bekannt für seine konservativen Standpunkte, insbesondere in gesellschaftlichen Fragen, hat er sich als entschiedener Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Verfassungsänderung zum Schwangerschaftsabbruch positioniert.
Geboren am 20. November 1960 in Cholet, wuchs Retailleau in Saint-Malô-du-Bois im Département Vendée auf. Nach seinem Studium an der Sciences Po Paris und einer Karriere im Medienbereich, unter anderem als Geschäftsführer der Kommunikationsschule Sciencescom, engagierte er sich im Puy du Fou, einem historischen Themenpark in der Nähe seines Heimatortes. Dort war er unter anderem als Regisseur der "Cinéscénie" tätig.
Politisch begann Retailleau seine Laufbahn 1988 als Generalrat des Kantons Mortagne-sur-Sèvre. Es folgten verschiedene politische Ämter, darunter Abgeordneter von 1994 bis 1997, Präsident des Regionalrats der Pays de la Loire von 2016 bis 2017 und Präsident der Partei Les Républicains seit Mai 2025. Im September 2024 wurde er von Präsident Michel Barnier zum Minister des Innern ernannt.
Während seiner politischen Karriere hat Retailleau wiederholt konservative Positionen vertreten. So war er 2013 einer der führenden Köpfe der Bewegung "La Manif pour Tous", die sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe stellte. Zudem sprach er sich gegen die Aufnahme des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch in die Verfassung aus.
Trotz seiner Nähe zu Philippe de Villiers, dem Gründer des Puy du Fou, nahm Retailleau in den 2000er Jahren zunehmend Abstand von dessen ultra-konservativen Positionen. Diese Entwicklung führte zu Spannungen und letztlich zu seiner Entfernung aus dem Puy du Fou.
Im April 2026 wurde Retailleau von seiner Partei offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert, wobei er 73,8 % der Stimmen in einer internen elektronischen Abstimmung erhielt. Trotz dieses deutlichen Ergebnisses lag die Wahlbeteiligung bei 60 %, was auf eine gewisse Zurückhaltung innerhalb der Partei hindeutet. Retailleau beschreibt seine Kandidatur als Pflicht und nicht als persönliche Ambition und strebt an, die Rechte nach 15 Jahren Abwesenheit wieder an die Macht zu bringen.
In den letzten Monaten hat Retailleau mit kontroversen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. So kritisierte er die spanische Migrationspolitik und schlug vor, Spanien aus der Europäischen Union auszuschließen, was zu heftigen Reaktionen führte. Kritiker warfen ihm vor, mit dieser Rhetorik die Beziehungen zu Spanien zu belasten und die europäische Zusammenarbeit zu gefährden.
Trotz dieser Kontroversen bleibt Retailleau eine zentrale Figur der französischen Rechten. Seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 wird mit Spannung verfolgt, da sie maßgeblich die politische Landschaft Frankreichs beeinflussen könnte.
Quellen
- Le Monde