Cancale – 25.05.2026: Die Stadt Cancale in der Bretagne hat eine Entscheidung getroffen, die in der Region für Aufsehen sorgt: Der Bau neuer Zweitwohnungen wird künftig untersagt. Diese Maßnahme zielt darauf ab, der steigenden Wohnungsnot für die ansässige Bevölkerung entgegenzuwirken und den Druck auf den lokalen Immobilienmarkt zu verringern.
Cancale, bekannt für seine malerische Küstenlandschaft und als Zentrum der Austernzucht, hat in den letzten Jahren einen erheblichen Anstieg von Zweitwohnungen erlebt. Zwischen 2011 und 2022 stieg der Anteil der Zweitwohnungen von 35,5 % auf 41,2 % des gesamten Wohnungsbestands. Dieser Trend führte zu einer Verknappung von Wohnraum für die ansässige Bevölkerung und trug zur Verteuerung der Immobilienpreise bei.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der Stadtrat von Cancale eine Änderung des lokalen Bebauungsplans (PLU) beschlossen. Diese Änderung führt eine "Servitut der Hauptwohnsitzpflicht" für alle Neubauten in bestimmten Bereichen ein. Konkret bedeutet dies, dass neu errichtete Wohnungen mindestens acht Monate im Jahr von ihren Eigentümern bewohnt werden müssen. Diese Regelung wurde durch das Gesetz Echaniz/Le Meur von November 2024 ermöglicht, das es Gemeinden mit einem hohen Anteil an Zweitwohnungen erlaubt, solche Maßnahmen zu ergreifen.
Pierre-Yves Mahieu, Bürgermeister von Cancale, betonte, dass diese Entscheidung nicht darauf abzielt, den Tourismus zu vertreiben, sondern vielmehr darauf, den Zugang zu Wohnraum für die ansässige Bevölkerung zu sichern. "Wir wollen nicht die Touristen vertreiben, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Einwohner Zugang zu Wohnraum haben", erklärte Mahieu.
Diese Initiative ist nicht einzigartig. In den letzten Jahren haben mehrere französische Gemeinden ähnliche Maßnahmen ergriffen, um der Wohnungsnot für Einheimische entgegenzuwirken. Städte wie Biarritz, Bayonne und Chamonix haben ebenfalls den Bau neuer Zweitwohnungen eingeschränkt oder untersagt. Diese Entwicklungen spiegeln einen landesweiten Trend wider, bei dem immer mehr Kommunen versuchen, den Wohnungsmarkt für ihre ständigen Bewohner zu schützen.
Die Entscheidung von Cancale wurde von verschiedenen Seiten begrüßt. Wohnungsbaugesellschaften und lokale Verbände lobten die Initiative als notwendigen Schritt, um den Wohnungsmarkt für Einheimische zu entlasten. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Auswirkungen auf den Tourismus und die lokale Wirtschaft. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Maßnahme langfristig auf die Stadtentwicklung und den Immobilienmarkt in Cancale auswirken wird.
Insgesamt zeigt die Entscheidung von Cancale, dass die Balance zwischen Tourismus und den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung eine Herausforderung für viele französische Küstenstädte darstellt. Die Frage, wie man den Wohnraum für Einheimische sichern kann, ohne den Tourismus zu beeinträchtigen, wird auch in Zukunft ein zentrales Thema in der Stadtplanung sein.
Quellen
- WEKA
- La Tribune
- Batiweb
- Novethic
- Le Parisien