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Daniel Ivers · 12.07.2026

CARE France warnt: Hitzewellen können Gewalt gegen Frauen verschärfen

Paris – 12.07.2026: Wenn die Hitze in den Wohnungen steht und die Nächte keinen Schlaf bringen, wächst für manche Frauen eine Gefahr, die in Wetterwarnungen kaum vorkommt. CARE France hat deshalb eine neue Aufklärungskampagne gestartet. Sie richtet den Blick auf den Zusammenhang zwischen extremen Temperaturen, sozialem Stress und Gewalt gegen Frauen.

Die Organisation beruft sich auf wissenschaftliche Arbeiten, die einen statistischen Zusammenhang zwischen Hitzeperioden und einem erhöhten Risiko partnerschaftlicher Gewalt feststellen. Wärme ist dabei keine Ursache, die Gewalt erklärt oder entschuldigt. Sie kann jedoch Belastungen wie Schlafmangel, finanzielle Sorgen, Enge in der Wohnung und Isolation verstärken – in Beziehungen, in denen Gewalt bereits angelegt ist.

CARE France verweist zudem auf Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischer Gewalt im öffentlichen Raum. Die Kampagne soll sichtbar machen, dass Klimaanpassung nicht allein aus Trinkwasserstellen, kühlen Räumen und medizinischer Vorsorge bestehen darf. Schutz vor Gewalt, sichere Unterkünfte und niedrigschwellige Beratung müssen nach Ansicht der Organisation in kommunale Hitzepläne einbezogen werden.

Auch die Forschung mahnt zur Vorsicht bei einfachen Erklärungen. Studien zeigen Zusammenhänge, aber sie beschreiben keine zwangsläufige Entwicklung in jedem Haushalt und keine individuelle Schuldfrage. Entscheidend bleiben Machtverhältnisse, Kontrolle und bestehende Gewaltmuster. Gerade deshalb fordert CARE France, Prävention und Opferschutz nicht erst dann zu aktivieren, wenn eine Hitzewelle bereits Menschen zermürbt.

Für Betroffene zählt im Ernstfall nicht die meteorologische Lage, sondern ein schneller, geschützter Zugang zu Hilfe. Bei akuter Gefahr sind in Frankreich Polizei und Gendarmerie unter der 17 erreichbar, vom Mobiltelefon auch über die europäische Notrufnummer 112. Für gehörlose oder schwerhörige Menschen steht die 114 zur Verfügung. Das staatliche Online-Meldeportal ermöglicht außerdem rund um die Uhr einen vertraulichen Austausch mit geschulten Einsatzkräften.

Die Nummer 3919 bietet Frauen, Angehörigen und Fachkräften anonym, kostenlos und landesweit Beratung sowie Vermittlung an örtliche Hilfen. Sie ist keine Notrufnummer. Wer eine bedrohte Person unterstützt, sollte ihre Angaben ernst nehmen, keine riskante Konfrontation mit einem mutmaßlichen Täter suchen und gemeinsam mit ihr einen sicheren Zeitpunkt für Kontakt zu Beratung, Polizei oder medizinischer Hilfe wählen.

Die Kampagne von CARE France setzt damit einen nüchternen Akzent in einem Sommer, in dem sich vieles um Temperaturrekorde dreht. Hinter geschlossenen Türen kann Hitze bestehende Notlagen verschärfen. Der Schutz von Frauen darf in der Planung für extreme Wetterlagen nicht als Randthema behandelt werden, sondern muss von Anfang an mitgedacht werden.

Quellen

  • CARE France: Kampagne zu Hitze und Gewalt gegen Frauen
  • JAMA Network Open: Studie zu extremer Hitze und Meldungen häuslicher Gewalt
  • Französisches Regierungsportal Arrêtons les violences: Hilfen und Notrufnummern