Paris – 17.07.2026: Der frühere französische Premierminister Bernard Cazeneuve wird am 4. September bei einem Kolloquium in Paris mit dem ehemaligen Staatspräsidenten François Hollande auftreten. Nach Informationen von Franceinfo soll auch Xavier Bertrand, Präsident der Region Hauts-de-France und möglicher Bewerber für das Elysée, anwesend sein. Zudem wird mit einer Teilnahme von Edouard Philippe oder eines Vertreters seines Umfelds gerechnet.
Die Ankündigung erhält besonderes Gewicht, weil Cazeneuve seine Präsidentschaftskandidatur für 2027 am 16. Juli offiziell bekräftigt hat. Der ehemalige Innenminister und Regierungschef unter Hollande lehnt eine sozialistische Vorwahl ab. Er will mit seiner Partei La Convention ein eigenständiges Angebot im reformorientierten linken und sozialdemokratischen Spektrum aufbauen.
Das Treffen mit Hollande zeigt damit zugleich die Nähe und die offene Konkurrenz zweier früherer Spitzenvertreter der Regierungslinken. Hollande, Staatspräsident von 2012 bis 2017, bereitet nach Berichten aus seinem Umfeld ebenfalls einen möglichen Wiedereintritt in den Präsidentschaftswahlkampf vor. Er hatte am 16. Juli in Paris Vertraute versammelt und dabei vor bloßen Symbolkandidaturen gewarnt.
Cazeneuve war von Dezember 2016 bis Mai 2017 Premierminister in Hollandes Regierung. Nach dem Bündnis des Parti socialiste mit La France insoumise bei der Parlamentswahl 2022 verließ er die Sozialisten und gründete später La Convention. Inhaltlich setzt er auf eine republikanisch-sozialdemokratische Linie, die sich von Jean-Luc Mélenchons linker Bewegung ebenso abgrenzt wie vom zentristischen Lager des Präsidenten.
Die personelle Zusammensetzung der für September angekündigten Veranstaltung verweist auf die zunehmende Zersplitterung des politischen Zentrums. Edouard Philippe, ehemaliger Premierminister von Emmanuel Macron, zählt zu den wichtigsten Kandidaten des bürgerlich-zentristischen Lagers. Xavier Bertrand, der bereits 2021 für die konservative Präsidentschaftskandidatur angetreten war, bleibt ebenfalls eine bekannte Figur der gemäßigten Rechten.
Ob Philippe selbst erscheint, ist noch nicht abschließend bestätigt. Seine Partei Horizons verfolgt für 2027 eine eigene Strategie, während mehrere Akteure der politischen Mitte auf eine spätere Bündelung der Kandidaturen drängen. Die Veranstaltung am 4. September ist daher weniger als Versuch einer unmittelbaren Allianz zu verstehen denn als Forum, auf dem die Grenzen und möglichen Überschneidungen zwischen sozialdemokratischer Linker, Mitte und gemäßigter Rechter sichtbar werden.
Für Cazeneuve bietet der Auftritt vor allem die Gelegenheit, seine Kandidatur mit einem über die eigene Parteistruktur hinausreichenden Netzwerk zu verbinden. Für Hollande wiederum wird der Termin zu einem Test, wie weit sein Einfluss im reformistischen Lager noch reicht. Eine gemeinsame politische Linie der Teilnehmer ist bislang nicht angekündigt.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Public Senat
- LCP – Assemblee nationale