Paris – 03.06.2026: Charles de Gaulle, der ikonische Anführer des französischen Widerstands im Zweiten Weltkrieg und spätere Staatspräsident, war lange Zeit nur selten auf der Kinoleinwand zu sehen. Im Gegensatz zu den zahlreichen britischen Filmen über Winston Churchill fehlte es in Frankreich an filmischen Porträts des Generals, der eine zentrale Rolle in der Geschichte des Landes einnimmt.
Eine der wenigen Ausnahmen stellte der Film „De Gaulle“ aus dem Jahr 2020 dar, in dem Lambert Wilson den General verkörperte. Der Film konzentrierte sich auf die Jahre des Zweiten Weltkriegs und zeigte de Gaulle als entschlossenen Führer, doch trotz positiver Kritiken erreichte er nicht das breite Publikum, das ihm vielleicht zustand.
Gegenwärtig erfährt die filmische Darstellung de Gaulles eine neue Dimension: Regisseur Antonin Baudry, selbst ehemaliger Diplomat, widmet dem Staatsmann ein zweiteiliges Biopic. Der erste Teil, „De Gaulle: Tilting Iron“, wurde kürzlich beim Filmfestival in Cannes gezeigt und startet heute in den Kinos. Der zweite Teil mit dem Titel „Sovereign Edge“ folgt am 3. Juli 2026. Baudry versucht, die oft steife, fast monumentale Figur zu entmystifizieren und ein komplexeres, menschliches Bild zu zeichnen. Dabei spielt auch die kulturelle Autonomie Frankreichs eine wichtige Rolle, verdeutlicht durch Szenen wie die Studentenproteste von 1940.
Die Herausforderung bei der filmischen Umsetzung liegt nicht nur in de Gaulles imposanter körperlicher Präsenz, sondern vor allem in seiner vielschichtigen Persönlichkeit. Simon Abkarian, der diesen rätselhaften Helden in Baudrys Film verkörpert, beschreibt ihn als „eine sehr seltsame Figur, fehl am Platz in seiner eigenen Zeit“. Das Ziel des Films ist es, die oft emotionslos wirkende Fassade zu durchbrechen und die inneren Konflikte des Mannes sichtbar zu machen.
Diese neue filmische Annäherung ist bedeutend für die französische Filmgeschichte, da sie eine Gelegenheit bietet, de Gaulle aus einem anderen Winkel zu betrachten und seine Rolle in der Geschichte neu zu bewerten. Die anstehende zweiteilige Veröffentlichung verspricht eine vertiefte Auseinandersetzung mit Leben und Wirken des herausragenden Staatsmannes.
Die Gründe für die bisher seltene Kinodarstellung de Gaulles sind vielfältig: Seine komplexe Persönlichkeit und die Herausforderung, diese auf der Leinwand authentisch darzustellen, sowie der Respekt vor seiner historischen Größe dürften Filmemacher bislang zurückhaltend gemacht haben. Mit den aktuellen Produktionen rückt jedoch ein differenzierteres Bild in den Fokus.
In einer Zeit, in der biografische und historische Filme an Bedeutung gewinnen, ist die verstärkte Aufmerksamkeit, die de Gaulle nun erfährt, ein wichtiger Schritt. Diese Filme laden das Publikum ein, über Führung, Widerstand und nationale Identität nachzudenken – Themen, die heute ebenso relevant sind wie zu seiner Zeit.
„De Gaulle: Tilting Iron“ signalisiert ein wachsendes Interesse der französischen Filmindustrie an komplexen historischen Figuren. Die erfolgreiche Rezeption dieser Werke könnte zukünftige Produktionen ermutigen, weitere Facetten nationaler Geschichte auf der Leinwand lebendig werden zu lassen.
Quellen
- Le Monde
- Le Parisien