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Jean-Paul Huber · 03.06.2026

Christophe Gleizes zieht Revisionsantrag zurück und hofft auf Gnade des algerischen Präsidenten Tebboune

Illustration Nachrichten.fr

Paris – 03.06.2026: Der französische Journalist Christophe Gleizes, der seit Juni 2024 in Algerien inhaftiert ist, hat seinen Revisionsantrag vor dem Obersten Gerichtshof zurückgezogen. Gleizes war im Mai 2024 in Tizi Ouzou verhaftet worden, als er über den Fußballverein Jeunesse Sportive de Kabylie (JSK) berichtete. Die algerischen Behörden warfen ihm "Verherrlichung des Terrorismus" und "Besitz von Propagandamaterialien" vor. Diese Anschuldigungen basieren auf seinen Kontakten zu einem Verantwortlichen des JSK, der der als terroristisch eingestuften Bewegung für die Autonomie der Kabylei (MAK) angehört.

Im Dezember 2025 bestätigte ein Berufungsgericht seine siebenjährige Haftstrafe. Die Familie Gleizes erklärte, dass der Journalist nun voll auf den Erbarmensakt von Präsident Abdelmadjid Tebboune vertraue. Das Zurückziehen des Revisionsantrags wird als strategische Geste gewertet, die eine Gnadenentscheidung in Algerien erleichtern könnte.

Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund verstärkter diplomatischer Bemühungen zwischen Frankreich und Algerien statt. Anfang Mai 2026 hatte der französische Justizminister Gérald Darmanin Algerien besucht und sich mit Präsident Tebboune getroffen. Dabei standen unter anderem die bilaterale Zusammenarbeit sowie die Freilassung Gleizes’ auf der Agenda. Die Beziehungen zwischen Paris und Algier sind seit Jahren angespannt, und Fälle wie der von Gleizes spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Bewegung für die Autonomie der Kabylei (MAK) gilt in Algerien als terroristisch, was die politische Dimension der Angelegenheit unterstreicht. Gleizes’ Berichterstattung über den Fußballverein JSK und seine Verbindungen zu einem MAK-Mitglied waren Grundlage der Vorwürfe. Gleizes selbst und seine Familie bestreiten die Vorwürfe.

Die Entscheidung, auf eine gerichtliche Überprüfung zu verzichten und stattdessen auf eine Gnade des Präsidenten zu hoffen, könnte darauf hinweisen, dass Gleizes seine Chancen auf eine Haftverkürzung durch ein politisches Entgegenkommen erhöhen möchte. Ob Präsident Tebboune diesem Ansinnen folgt, bleibt offen. Eine Gnadenentscheidung würde eine Ausnahme in einem ansonsten harten juristischen Umfeld darstellen und könnte neue Impulse für die französisch-algerischen Beziehungen geben.

Die internationale Öffentlichkeit und Menschenrechtsorganisationen beobachten den Fall aufmerksam, da er beispielhaft für die komplexen politischen und rechtlichen Spannungen zwischen Frankreich und Algerien steht. Gleizes war mehrfach Gegenstand von Protesten und Appellen zur Freilassung. In Algerien selbst sorgt der Fall für kontroverse Diskussionen über Pressefreiheit und politische Unterdrückung.

Die Lage bleibt angespannt, und die Freilassung Gleizes’ würde als bedeutendes Signal gewertet werden. Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt sein Zustand sowie die politische Willensbildung in Algier von großem Interesse.

Quellen

  • Europe 1
  • Le Monde
  • Le Parisien