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NEWSDESK · 17.07.2026

Civaux setzt bei Hitze auf Kühltürme statt auf die Vienne

Civaux – 17.07.2026: Die Kernkraftzentrale Civaux im Departement Vienne rückt angesichts zunehmender Hitzewellen als Beispiel für die Anpassung kritischer Energieinfrastruktur an den Klimawandel in den Fokus. Ihr Kühlsystem unterscheidet sich von Anlagen, die Flusswasser unmittelbar zur Kühlung nutzen und bei hohen Wassertemperaturen oder niedrigem Pegel ihre Leistung verringern müssen.

In Civaux wird die beim Stromerzeugen entstehende Restwärme über große Kühltürme abgeführt. Die sichtbaren Dampfwolken sind dabei überwiegend kondensierter Wasserdampf. Nach Angaben von EDF verringert dieses Verfahren die direkte thermische Belastung der Vienne deutlich. Zusätzliche Kühleinrichtungen können auch die aus den Kühlkreisläufen stammenden Wasserströme weiter abkühlen.

Die Anlage verfügt über zwei Druckwasserreaktoren mit jeweils 1.450 Megawatt elektrischer Leistung. EDF beziffert die Stromerzeugung des Standorts im Jahr 2025 auf 19,2 Terawattstunden. Damit hatte Civaux einen Anteil von rund 5,2 Prozent an der französischen Atomstromproduktion. Der Standort ist zugleich für die regionale Versorgung und als großer Arbeitgeber im Département Vienne von Bedeutung.

Die Auslegung mit Kühltürmen bedeutet jedoch nicht, dass hohe Temperaturen ohne technische und ökologische Grenzen bleiben. Betreiber und Aufsicht müssen weiterhin Temperatur, Durchflussmenge und Qualität des Flusswassers überwachen. Für französische Kernkraftwerke gelten verbindliche Vorgaben zu den Auswirkungen der Einleitungen auf Gewässer und deren Ökosysteme.

Die französische Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz ASNR hat die thermischen Einleitungen von Civaux zuletzt im Zusammenhang mit den zusätzlichen Kühlsystemen untersucht. Dabei verwies sie darauf, dass die Betriebsregeln und der Einsatz dieser Anlagen für die Begrenzung der Erwärmung der Vienne entscheidend sind. Der Schutz des Flusses bleibt daher Teil des laufenden Anlagenbetriebs.

Andere französische Kernkraftwerke waren während der jüngsten Hitzeperioden bereits gezwungen, ihre Leistung vorsorglich an Wetter- und Gewässerbedingungen anzupassen. EDF erklärte etwa für Blayais im Juli 2026, die Produktion könne wegen der Temperatur der Gironde verändert werden. Solche Maßnahmen dienen nach Angaben des Konzerns der Einhaltung von Umweltauflagen und betreffen nicht die grundsätzliche Sicherheit der Reaktoren.

Civaux steht damit für eine technische Option, die Risiken extremer Hitze für die Stromproduktion begrenzen kann, ohne sie vollständig auszuschließen. Der Ausbau und die zuverlässige Wartung der Kühlsysteme gewinnen an Bedeutung, weil lange Hitze- und Trockenphasen in Frankreich häufiger auftreten. Entscheidend bleibt, dass Leistungsbetrieb, Gewässerschutz und unabhängige Aufsicht dauerhaft zusammengeführt werden.

Quellen

  • Franceinfo
  • EDF
  • ASNR