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Patrick Duval · 12.07.2026

Ein eigenes Wimbledon im Garten von Rennes

Rennes – 11.07.2026: Der Ball springt flach ab, der Schlag klingt trocken, das Gras ist auf einen Zentimeter geschnitten: Christophe Natu hat sich nahe Rennes einen Tennisplatz gebaut, der in Frankreich fast wie ein Exot wirkt. Mitten zwischen Luzernefeldern, rund 15 Kilometer von der bretonischen Metropole entfernt, pflegt der Tennisliebhaber einen Naturrasencourt – sein persönliches Stück Wimbledon.

Die Idee entstand nicht aus einer kurzen Laune. Natu begann 2013 mit dem Projekt und arbeitete sich Schritt für Schritt in eine Disziplin ein, die weit über das Ziehen gerader Linien hinausgeht. Zusammen mit seinem Vater bereitete er den Boden vor, um die Fläche möglichst eben zu bekommen. Anschließend säte er zwei Grasarten: eine dichte Sorte für die geschlossene Oberfläche, eine zweite, die den Tritten und abrupten Richtungswechseln standhalten soll.

Gerade diese Details entscheiden über den Charakter eines Rasenplatzes. Naturgras verzeiht keinen Schlendrian. Es muss kurz, gleichmäßig und belastbar bleiben; kleine Unebenheiten verändern Absprung und Timing sofort. Der Belag beschleunigt das Spiel gegenüber Sand, hält den Ball niedriger und nimmt starkem Topspin einen Teil seiner Wirkung. Auf Natus Platz wird daraus ein Tennis, das frühe Treffpunkte, flache Schläge und entschlossene Wege ans Netz belohnt.

Während beim Grand-Slam-Turnier in London am Samstag, 11. Juli 2026, das Damen-Einzelfinale angesetzt ist, steht am Sonntag, 12. Juli 2026, das Herren-Einzelfinale auf dem Programm. Im All England Lawn Tennis Club ist Rasen Teil einer großen Choreografie aus Tradition, Präzision und weltweiter Aufmerksamkeit. In der Bretagne schrumpft diese Bühne auf Gartenmaß – nicht aber der Anspruch an die Oberfläche.

Natu, der als Kind Fußball spielte, widmet dem Court nach eigenen Angaben heute einen Großteil seiner freien Zeit und viele Wochenenden. Die Anlage ist damit weniger Kulisse als handwerkliches Langzeitprojekt. Wer dort spielt, bekommt keinen perfekt standardisierten Profiplatz, aber die wesentlichen Reize des Rasens: einen schnellen Rhythmus, kurze Reaktionszeiten und das Gefühl, dass jeder Schritt die Qualität des nächsten Ballwechsels mitbestimmt.

Frankreich ist im internationalen Rasentennis ohnehin ein Sonderfall. Anders als mehrere europäische Nachbarländer richtet das Land kein ATP-Turnier auf Rasen aus. Entsprechend selten sind Plätze, auf denen Spielerinnen und Spieler die spezifischen Bewegungen und Flugbahnen dieses Belags trainieren können. Natus Court bei Rennes wirkt deshalb wie eine kleine Gegenbewegung zur französischen Dominanz von Sand und Hallenhartplatz.

Wenn am Rand des Familiengartens die Bälle über das kurze Grün fliegen, geht es nicht um Nachahmung um ihrer selbst willen. Der Platz übersetzt eine große Tennisidee in geduldige Alltagsarbeit: Boden glätten, Gras säen, Höhe kontrollieren, Belastung dosieren. Wimbledon liegt auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Der Kern des Rasenspiels aber wächst auch in der Bretagne – Schnitt für Schnitt.

Quellen

  • Franceinfo RSS
  • The Championships, Wimbledon
  • L'Équipe
  • Tennis sur Gazon près de Rennes