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Jean-Paul Huber · 10.06.2026

Elisabeth Borne fordert Verbesserungen im Umgang mit sexueller Gewalt

Paris – 10.06.2026: Elisabeth Borne, Abgeordnete der Écologie, Démocratie et Solidarité (EPR) im Calvados, äußerte sich in der Sendung "Tout est politique" auf Franceinfo zur aktuellen Diskussion über den Umgang mit sexueller Gewalt in Frankreich. Sie betonte, dass es keinen Zweifel daran gebe, dass in diesem Bereich Verbesserungen notwendig seien. Gleichzeitig appellierte sie an die Öffentlichkeit, den laufenden Ermittlungen Zeit zu geben und auf deren Ergebnisse zu warten.

Die Diskussion wurde durch den tragischen Fall von Lyhanna ausgelöst, einer 11-jährigen Schülerin aus Fleurance im Südwesten Frankreichs, deren Leiche Ende Mai gefunden wurde. Der Hauptverdächtige, Jérôme Barella, 41 Jahre alt, war zuvor mehrfach wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige angezeigt worden, ohne dass entsprechende Ermittlungen eingeleitet wurden. Dies führte zu landesweiten Protesten und Forderungen nach Reformen im Justizsystem.

In Reaktion auf die öffentliche Empörung kündigte Premierminister Sébastien Lecornu mehrere Maßnahmen an, darunter die Erhöhung der Strafen für Serienvergewaltiger auf lebenslange Haft und die Festlegung eines maximalen Zeitraums von drei Monaten für Ermittlungen in Fällen von Kindesmissbrauch. Diese Schritte sollen dazu beitragen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz wiederherzustellen und zukünftige Versäumnisse zu verhindern.

Zudem wurde eine umfassende Gesetzesinitiative zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt ins Leben gerufen. Über 110 Abgeordnete aus verschiedenen politischen Lagern haben eine entsprechende Gesetzesvorlage unterstützt, die auf Empfehlungen zahlreicher Organisationen und der Kommission für sexuellen Missbrauch an Kindern (Ciivise) basiert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, den Schutz von Frauen und Kindern vor sexueller Gewalt zu stärken und bestehende Lücken im Rechtssystem zu schließen.

Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Vorfälle rund um den Fall Lyhanna als "inakzeptable Fehlfunktion" der Justiz und betonte die Notwendigkeit umfassender Reformen. Er kündigte an, dass die zuständigen Minister, darunter Justizminister Gérald Darmanin, die Verantwortung für die Untersuchung der Vorwürfe übernehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen würden.

Inmitten dieser Entwicklungen verteidigte die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, das Recht der Bürger auf Demonstrationen und betonte die Bedeutung des Dialogs zwischen Bevölkerung und Institutionen. Sie rief dazu auf, die Stimme der Bürger nicht zu fürchten und deren Anliegen ernst zu nehmen.

Die Ereignisse rund um den Fall Lyhanna haben eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit sexueller Gewalt und die Effizienz des Justizsystems in Frankreich ausgelöst. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Veränderungen die angekündigten Maßnahmen mit sich bringen und ob sie den berechtigten Forderungen der Bevölkerung gerecht werden.

Quellen

  • Euronews
  • TF1 Info
  • LCP – Assemblée nationale
  • AA.com.tr
  • La Gazette France