Paris – 04.07.2026: Ein Zusammenschluss aus Eltern-, Opfer- und Kinderrechtsverbänden hat die französischen Ministerien für Justiz und Bildung sowie das Rathaus von Paris in einem offenen Brief zu mehr Transparenz und strengeren Kontrollen im périscolaire aufgefordert. Auslöser sind wiederholte Berichte über Gewaltvorwürfe und unklare Abläufe bei der Personalauswahl in der schulischen Nachmittagsbetreuung. Die Unterzeichner verlangen nachvollziehbare Informationen zu Qualifikationen, Eignungsprüfungen und Beschäftigungsverhältnissen sowie klare Angaben dazu, welche externen Träger in den Einrichtungen tätig sind.
Konkret plädieren die Verbände für einheitliche, öffentlich einsehbare Verfahren: Prüfungen der beruflichen Vorgeschichte sollen lückenlos dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden. Außerdem sollen Betreuungskräfte nicht allein mit kleinen Gruppen eingesetzt werden, um das Vier-Augen-Prinzip zu sichern. Die Initiatoren betonen, es gehe nicht um Generalverdacht, sondern um Prävention und den Schutz von Kindern in einem Bereich, der täglich von Tausenden Familien genutzt wird.
Der Appell folgt auf mehrere Ermittlungen und Suspendierungen der vergangenen Monate, die das Vertrauen vieler Eltern erschüttert haben. In Medienberichten war von Dutzenden vorläufigen Entfernungen aus dem Dienst die Rede, teils wegen Verdachts auf Übergriffe, teils zur Klärung ungeeigneter Einstellungswege. Bereits zuvor hatten lokale Kollektive auf Missstände bei Rekrutierung, Anleitung und Supervision hingewiesen. Aus dem Pariser Rathaus und den zuständigen Behörden hieß es in der Vergangenheit, man habe interne Untersuchungen eingeleitet, Personal freigestellt und unabhängige Prüfkommissionen eingesetzt.
Die Verbände halten diese Schritte für unzureichend, solange Eltern nicht klar erkennen können, nach welchen Standards Personal gewonnen, überprüft und fortgebildet wird. Rechtlich sensible Punkte – insbesondere Datenschutz bei Personalakten, die Abwägung von Persönlichkeitsrechten und der Umgang mit Verdachtsfällen – nennen sie ausdrücklich. Gefordert werden standardisierte Meldeketten an Staatsanwaltschaften, definierte Fristen für Rückmeldungen an Familien sowie transparente Kriterien, ab wann eine vorläufige Suspendierung greift und wie sie überprüft wird.
Hinter der Auseinandersetzung steht die Frage, wie Kommunen, freie Träger und Staat Verantwortung im périscolaire teilen und wie sich Qualität über stark ausgelastete Strukturen hinweg sichern lässt. Die Unterzeichner regen an, Mindestquoten für qualifiziertes Personal, regelmäßige Fortbildungen zu Kinderschutz und Deeskalation sowie ein zentrales Berichtsformat zu Ergebnissen externer Prüfungen einzuführen. Ob die adressierten Ministerien oder die Stadt Paris kurzfristig zusätzliche Maßnahmen oder Zeitpläne vorlegen, war nach Veröffentlichung des Briefes zunächst offen.
Quellen
- Franceinfo
- Europe 1
- Le Dauphiné
- Le Parisien