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Patrice Tiko · 12.07.2026

Erste nationale Dreyfus-Gedenkfeier findet am 12. Juli statt

Paris – 11.07.2026: Frankreich begeht am Sonntag, dem 12. Juli, erstmals einen nationalen Gedenktag für Alfred Dreyfus. Die neue jährliche Zeremonie erinnert an die vollständige Rehabilitierung des zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilten jüdischen Offiziers durch den Kassationshof am 12. Juli 1906. Präsident Emmanuel Macron hatte die Einführung des Gedenktags bereits im Juli 2025 angekündigt; ein Dekret vom 7. Juli 2026 verankerte ihn nun offiziell im staatlichen Erinnerungskalender.

Die Präsidentschaft ordnet die erste Feier ausdrücklich als Würdigung von Dreyfus und seiner Unterstützer ein. Im Mittelpunkt steht damit nicht allein das Schicksal des 1895 degradierten Hauptmanns, sondern auch der institutionelle Konflikt, den seine Verurteilung auslöste. Die Affäre wurde zum Prüfstein für Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und die Stellung der Armee in der Dritten Republik. Sie legte zugleich den damals virulenten Antisemitismus in Teilen von Staat und Gesellschaft offen.

Alfred Dreyfus war 1894 auf Grundlage gefälschter und fehlerhaft bewerteter Beweise verurteilt und auf die Teufelsinsel deportiert worden. Nach jahrelangen politischen und juristischen Auseinandersetzungen hob der Kassationshof das Urteil am 12. Juli 1906 endgültig auf. Einen Tag später beschloss die Abgeordnetenkammer seine Wiedereingliederung in die Armee sowie jene von Marie-Georges Picquart, der entscheidend zur A﷬kung des Justizirrtums beigetragen hatte. Dreyfus erhielt zudem die Ehrenlegion.

Die staatliche Erinnerung bleibt allerdings auch von einer offenen historischen Spannung geprägt. Dreyfus betrachtete die Bedingungen seiner Rückkehr in die Armee als unzureichend, weil sie seine durch die Affäre verlorene militärische Laufbahn nicht vollständig ausglichen. Er schied 1907 aus dem Dienst aus, meldete sich jedoch nach Beginn des Ersten Weltkriegs erneut und beendete seine Karriere 1918 als Oberstleutnant. Er starb am 12. Juli 1935.

Macron verbindet den Gedenktag mit einer gegenwartsbezogenen republikanischen Botschaft. In einer Erklärung des Elysee-Palasts heißt es, die Erinnerung an Dreyfus und seine Verteidiger mahne die gesamte Nation zu Wachsamkeit und Beharrlichkeit. Der Präsident hatte im Februar angekündigt, die erste Feier am 12. Juli 2026 werde Teil eines breiteren staatlichen Einsatzes gegen Antisemitismus sein. Damit knüpft die Regierung an eine Erinnerungspolitik an, die historische Justizirrtümer als Maßstab für heutige Institutionen versteht.

Der 12. Juli wird künftig jährlich begangen. Anders als ein persönlicher nationaler Staatsakt für einen Verstorbenen ist die neue Zeremonie als dauerhafter Gedenktag angelegt. Sie stellt die Rehabilitierung Dreyfus' in einen größeren Zusammenhang: die Vorrangstellung überprüfbarer Tatsachen vor politischem Druck, die Unabhängigkeit der Justiz und den Schutz von Minderheitenrechten. Für die französische Republik erhält die Dreyfus-Affäre damit dauerhaft einen festen Platz im offiziellen Kalender.

Quellen

  • Elysee-Palast: Nationale Gedenkfeier fuer Alfred Dreyfus, 12.07.2025
  • Legifrance: Dekret Nr. 2026-598 vom 07.07.2026
  • Elysee-Palast: Rede bei der Gedenkfeier fuer Ilan Halimi, 13.02.2026