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NEWSDESK · 20.07.2026

EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress

Brüssel – 20.07.2026: Wer auf einer Onlineplattform ein vermeintliches Schnäppchen anklickt, sieht oft nur Preis, Foto und Lieferzeit. Die Europäische Kommission richtet den Blick nun auf das, was dahinter fehlen kann: wirksame Kontrollen. Sie hat den chinesischen Online-Marktplatz AliExpress mit einer Geldbuße von 550 Millionen Euro belegt. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe Risiken beim Verkauf illegaler, unsicherer oder gefälschter Waren nicht ausreichend geprüft und begrenzt.

Die Entscheidung betrifft Pflichten aus dem Gesetz über digitale Dienste, dem Digital Services Act. Nach Darstellung der Kommission fanden sich auf AliExpress in großem Umfang rechtswidrige Angebote. Genannt werden insbesondere gefälschte Kleidung, unsichere Spielzeuge und gefährliche Kosmetika. Die Behörde wirft der Plattform nicht vor, selbst jedes einzelne Produkt hergestellt zu haben. Im Zentrum steht vielmehr die Verantwortung eines sehr großen Marktplatzes, Risiken früh zu erkennen und wirksam zu verringern.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das mehr als eine juristische Auseinandersetzung in Brüssel. Bei Spielzeug können fehlende Sicherheitsstandards etwa verschluckbare Kleinteile, problematische Materialien oder unzureichende Kennzeichnungen bedeuten. Bei Fälschungen geht es neben Markenrechten auch um die Frage, ob Herstellung, Zusammensetzung und Sicherheitsprüfung nachvollziehbar sind. Gerade im schnellen Versandhandel ist diese Kontrolle für Käufer von außen kaum zu leisten.

Die Kommission ordnete AliExpress an, die festgestellten Verstöße abzustellen. Bis zum 20. Oktober 2026 muss die Plattform einen Maßnahmenplan vorlegen. Darin soll sie darlegen, wie sie ihre Verfahren zur Risikoanalyse und zur Eindämmung problematischer Angebote verbessert. Werden die Vorgaben aus der Entscheidung nicht erfüllt, können zusätzliche regelmäßig fällige Strafzahlungen folgen.

Die Untersuchung hat eine längere Vorgeschichte. Bereits im Jahr 2025 hatte die Kommission vorläufig festgestellt, dass für Kundinnen und Kunden in der Europäischen Union ein hohes Risiko bestehe, auf AliExpress illegalen Produkten zu begegnen. AliExpress sagte damals Verbesserungen zu. Mit der nun verhängten Geldbuße bewertet die EU-Kommission die bisherigen Vorkehrungen jedoch als unzureichend.

AliExpress erklärte nach der Entscheidung, man nehme die Verpflichtungen nach dem Digital Services Act ernst und habe erheblich in Risikoprüfung, Produktsicherheit und Verbraucherschutz investiert. Zugleich bezeichnete das Unternehmen die Strafe als unverhältnismäßig. Man prüfe die Entscheidung und mögliche weitere Schritte. Ein Rechtsmittel oder dessen Ausgang sind bislang nicht bekannt.

Der Fall ist ein Signal an die großen digitalen Marktplätze: Niedrige Preise und eine große Zahl externer Händler entbinden nicht von der Pflicht, Gefahren für Kundinnen und Kunden systematisch zu bekämpfen. Für die EU geht es dabei um die Frage, ob Regeln zum Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern auch auf Plattformen durchsetzbar sind, deren Angebot sich täglich in großer Geschwindigkeit verändert.

Quellen

  • Europäische Kommission: Geldbuße gegen AliExpress wegen Verstoßes gegen den Digital Services Act
  • Associated Press: Bericht zur EU-Entscheidung und Stellungnahme von AliExpress