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Patrice Tiko · 10.07.2026

EU verlangt von Meta Änderungen an Instagram- und Facebook-Oberflächen wegen süchtig machender Gestaltung

Brüssel – 10.07.2026: Die Europäische Kommission hat Meta Platforms aufgefordert, zentrale Elemente der Benutzeroberflächen von Instagram und Facebook zu ändern. Nach einer vorläufigen Bewertung der Brüsseler Behörde verstärken Funktionen wie automatische Wiedergabe, endloses Scrollen und hochgradig personalisierte Empfehlungsmechanismen die Nutzungsdauer in einer Weise, die problematisches Verhalten begünstigen kann. Besonders betroffen seien Minderjährige sowie andere besonders schutzbedürftige Gruppen. Die Kommission stützt sich auf den Digital Services Act (DSA), der sehr großen Online-Plattformen besondere Sorgfalts- und Transparenzpflichten auferlegt.

Konkret wirft die Behörde Meta vor, systemische Risiken nicht ausreichend ermittelt, gemindert und extern überprüfbar dokumentiert zu haben. Dazu zählt aus Sicht der Aufseher auch, dass die Alterskontrollen unzureichend seien und Kinder unter 13 Jahren weiterhin Zugang zu den Diensten erhalten könnten. Die Kommission verweist darauf, interne Unterlagen, Datenanalysen und wissenschaftliche Studien in die Prüfung einbezogen zu haben. Sollte Meta die verlangten Korrekturen nicht innerhalb festgelegter Fristen umsetzen, kann Brüssel förmliche Anordnungen erlassen und Bußgelder verhängen.

Der DSA verlangt von Plattformen unter anderem Folgenabschätzungen zu Designentscheidungen, die klare Trennung von Werbung und Inhalten, wirksame Meldewege sowie eine belastbare Risikominderung für Minderjährige. Dazu gehören praktikable Pausenfunktionen, weniger auf Maximierung von Verweildauer ausgelegte Voreinstellungen und verständliche Hinweise zu Empfehlungslogiken. Für sehr große Plattformen sind außerdem unabhängige Audits vorgeschrieben. Die Kommission signalisiert, dass sie Änderungen an Interfaces und Algorithmen im Zusammenspiel mit Transparenz gegenüber Nutzerinnen und Nutzern sehen will.

Meta reagierte nach übereinstimmenden Medienberichten zunächst ohne ausführliche Stellungnahme. Der Konzern steht in Europa seit Jahren unter Beobachtung, etwa mit Blick auf personalisierte Werbung, Datenschutz und Jugendschutz. Verbraucherschützer und nationale Aufsichtsstellen begrüßten den Schritt der EU und fordern überprüfbare Zeitpläne sowie öffentliche Berichte zur Wirksamkeit künftiger Maßnahmen. Fachleute verweisen darauf, dass Interface-Anpassungen nur dann greifen, wenn sie durch klare Default-Einstellungen, verständliche Opt-outs und eine regelmäßige externe Evaluierung flankiert werden.

Die Initiative reiht sich in laufende Verfahren gegen andere große Plattformen ein, bei denen die Kommission bereits auf Änderungen an Empfehlungs- und Anzeigealgorithmen hingewirkt hat. Beobachter erwarten, dass Meta nun kurzfristig konkrete Umsetzungspläne vorlegt, technische Tests dokumentiert und die Effekte auf Minderjährige quantifiziert. Bis dahin bleibt offen, ob einzelne Funktionen europaweit deaktiviert, eingeschränkt oder mit strengeren Schutzmechanismen versehen werden.

Quellen

  • Franceinfo (RSS)
  • European Commission (Digital Strategy)
  • AP News