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Jean-Paul Huber · 07.07.2026

Familie von Christophe Gleizes erneuert Gnadengesuch an Algeriens Präsidenten

Paris – 07.07.2026: Die Familie des französischen Journalisten Christophe Gleizes hat den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune erneut um eine Präsidialbegnadigung gebeten. Nach Angaben von Medienberichten und Menschenrechtsorganisationen richtet sich das Gesuch ausdrücklich an die persönliche Entscheidungskompetenz des Staatschefs. Gleizes, 37, wurde im Juni 2025 wegen „Apologie des Terrorismus“ zu sieben Jahren Haft verurteilt; er sitzt seit seiner Festnahme im Mai 2024 in Algerien in Haft.

Unterstützer verweisen auf den gesundheitlichen und psychischen Zustand des Inhaftierten und betonen den humanitären Charakter der Bitte. Reporters sans Frontières (RSF) und mehrere französische Redaktionen hatten den Fall wiederholt publik gemacht und von den Behörden in Algier Transparenz und Milde verlangt. Auch Abgeordnete in Paris mahnten eine abgestimmte diplomatische Linie an. Die französische Regierung setzt nach übereinstimmenden Berichten weiterhin auf stille Kontakte zu den algerischen Partnern; ein Zeitplan für eine mögliche Entscheidung liegt nicht vor.

Juristisch stützt sich das Urteil auf den Vorwurf, Gleizes habe Materialien mitgeführt und Inhalte verbreitet, die von den algerischen Behörden als propagandistisch eingestuft wurden. Seine Redaktion und rechtliche Vertreter weisen das zurück und sprechen von einer Kriminalisierung journalistischer Arbeit. Entscheidungen algerischer Gerichte in Tizi Ouzou hatten 2025 die Haftstrafe bestätigt. Unabhängige Beobachter sehen den Fall eingebettet in eine Phase gespannter Beziehungen zwischen Paris und Algier seit 2024, in der Visa-, Sicherheits- und Erinnerungspolitik wiederholt Konfliktpunkte bildeten.

In Algerien kann der Präsident Begnadigungen zu Staatsfeiertagen, aus humanitären Gründen oder in Einzelfällen auch kurzfristig anordnen. Präzedenzfälle belegen, dass solche Entscheidungen überraschend fallen können, aber keiner festen Regel folgen. Die Familie von Gleizes hat nach eigenen Angaben die regulären Rechtsmittel ausgeschöpft und konzentriert sich nun auf eine politische Lösung. Menschenrechtsgruppen fordern parallel Mindeststandards bei Haftbedingungen und Zugang zu anwaltlicher Vertretung.

Der Fall berührt über die persönliche Tragik hinaus die Pressefreiheit und die Zusammenarbeit beider Länder. Für Paris steht die konsularische Betreuung eines Staatsbürgers im Ausland im Vordergrund; Algerien wiederum betont seine Souveränität und die Anwendung nationalen Rechts. Diplomatisch gilt eine Begnadigung als der schnellste Weg, um die Haft faktisch zu beenden. Eine solche Entscheidung würde den Streit nicht automatisch befrieden, könnte aber Spielräume für einen pragmatischen Dialog über Justizkooperation und den Schutz journalistischer Arbeit eröffnen.

Quellen

  • Franceinfo
  • L'Equipe
  • Le Monde
  • Reporters sans Frontières