Avignon – 05.07.2026: Zum Auftakt des Festival d’Avignon hat Kulturministerin Catherine Pégard zugesagt, beim Wirtschafts- und Finanzministerium auf die vollständige Freigabe der für 2026 vorgesehenen Kulturmittel zu drängen. Streichungen solle es nicht geben, sagte sie, wohl aber mögliche Verschiebungen von Auszahlungszeitpunkten. Hintergrund sind Beschwerden aus der Branche, wonach im zweiten Halbjahr geplante Förderbeträge vorerst blockiert seien.
Mehrere Verbände und rund 28 betroffene Strukturen hatten in den vergangenen Tagen auf akute Risiken hingewiesen. Gerade zu Beginn der Festivalsaison treffen laufende Produktions- und Technikkosten auf verzögerte Liquiditätszuflüsse. Häuser und freie Compagnien verweisen darauf, dass Verträge für Tourneen, Technik und Personal nur mit belastbaren Zahlungsplänen gesichert werden können. Bleiben Abschläge aus, drohen kurzfristige Engpässe und Programmänderungen.
Die Gewerkschaft CGT Spectacle übte scharfe Kritik und warf der Ministerin vor, den Kulturhaushalt nicht entschieden genug gegen Querschnittskürzungen zu verteidigen. Sie rief für die nächsten Tage zu Kundgebungen in Avignon und weiteren Städten auf, falls keine konkreten Garantien vorliegen. Branchenvertretungen fordern klare Kalender für Auszahlungen, gegebenenfalls mit Teilbeträgen, um Produktionen über den Sommer zu stabilisieren.
Aus dem Kulturministerium verlautete, man stehe in engem Austausch mit dem Wirtschaftsressort. In der Regierung liefen Abstimmungen über Verteilung und Terminierung, um haushalterische Spielräume auszuloten. Denkbar seien priorisierte Tranchen für Einrichtungen mit nachweislich kurzfristigem Finanzbedarf. Damit soll verhindert werden, dass bereits bewilligte Projekte in Verzug geraten oder Verträge platzen.
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch strukturelle Punkte. Fachverbände berichten, der Beschäftigungsfonds FONPEPS sei für 2026 niedriger dotiert als von der Branche erwartet. Zugleich verzögerten technische Abläufe bei der Agence de Services et de Paiement (ASP) einzelne Überweisungen. Diese Kombination aus späteren Etatfreigaben und administrativen Hürden verschärft nach Angaben der Szene die Lage in einer Phase hoher Vorleistungen für Tourneen, Gastspiele und Gastkünstlerinnen.
Pégard traf in Avignon Vertreterinnen und Vertreter von Festivals, Produzenten und Künstlern, um kurzfristige Lösungen zu erörtern. Entscheidend seien jetzt schriftliche Zusagen und ein verbindlicher Fahrplan für die betroffenen Linien im Kulturhaushalt. Für Veranstalter gilt: Je früher Abschläge und Förderbescheide greifen, desto eher lassen sich Gagen, Technik und Unterkünfte absichern, ohne Programme zu kürzen. Ob und in welchem Umfang Mittel noch im Juli fließen, hängt nach Regierungsangaben von den laufenden Abstimmungen ab. In Avignon rechnen Beteiligte mit raschen Signalen – andernfalls könnten die angekündigten Proteste an Dynamik gewinnen.
Quellen
- Franceinfo
- Ministère de la Culture
- Le Dauphiné
- CGT
- Upday