Cannes – 23.05.2026: Der rumänische Regisseur Cristian Mungiu wurde am Samstagabend im Rahmen der 79. Ausgabe des Festival de Cannes mit der prestigeträchtigen Palme d'Or für seinen Film "Fjord" ausgezeichnet. Dies markiert Mungius zweite Auszeichnung mit dem Hauptpreis des Festivals, nachdem er 2007 für "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" geehrt wurde.
"Fjord" ist ein fesselndes Drama, das die Geschichte einer rumänischen Familie erzählt, die in ein abgelegenes norwegisches Dorf zieht. Die Familie, bestehend aus dem Ingenieur Mihai (gespielt von Sebastian Stan) und seiner Frau Lisbet, einer Norwegerin, sowie ihren fünf Kindern, wird in der neuen Gemeinschaft herzlich aufgenommen. Doch als die Tochter Elia mit blauen Flecken in die Schule kommt, wird die Familie von den lokalen Behörden wegen Kindesmisshandlung untersucht. Der Film beleuchtet die Spannungen zwischen traditionellen Werten und progressiven Systemen und wirft Fragen zur kulturellen Integration und zum Umgang mit Andersartigkeit auf.
Mungiu erklärte, dass sein Film die Widersprüche in Gesellschaften thematisiere, die Toleranz predigen, aber oft diejenigen ausschließen, die von der Norm abweichen. Er betonte die Notwendigkeit, auch die Werte der progressiven Gesellschaften zu hinterfragen.
Neben der Palme d'Or wurden weitere Preise vergeben. Der Grand Prix ging an Andrey Zvyagintsevs "Minotaur", ein Kriegsdrama, das die Geschichte eines russischen Geschäftsmanns erzählt, der zwischen persönlichem Drama und militärischer Einberufung hin- und hergerissen ist. Zvyagintsev nutzte seine Dankesrede, um an Präsident Wladimir Putin zu appellieren, "das Gemetzel" in der Ukraine zu beenden.
Der Preis für die beste Regie wurde geteilt zwischen Pawel Pawlikowski für "Fatherland" und dem spanischen Duo Javier Ambrossi und Javier Calvo für "La Bola Negra". Letzterer Film, der die Geschichte von Federico García Lorca im Kontext der spanischen Geschichte des letzten Jahrhunderts erzählt, wird am 2. Oktober in Spanien veröffentlicht.
Die Auszeichnung für die beste Schauspielerin wurde geteilt zwischen Virginie Efira und Tao Okamoto für "All of a Sudden". Der beste Schauspielerpreis ging an Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für "Coward". Der Preis für das beste Drehbuch wurde an Emmanuel Marre für "A Man of His Time" vergeben, während "The Dreamed Adventure" von Valeska Grisebach den Jurypreis erhielt. Die Caméra d'Or, die dem besten Debütfilm vorbehalten ist, ging an die ruandische Regisseurin Marie Clémentine Dusabejambo für "Ben'Imana".
Die 79. Ausgabe des Festival de Cannes war geprägt von Filmen, die sich mit aktuellen globalen Themen wie Krieg, Migration und Identität auseinandersetzten. Die Auswahl spiegelte das Engagement des Festivals wider, relevante gesellschaftliche Fragen durch das Medium Film zu thematisieren.
Quellen
- Le Monde
- Euronews
- The Guardian