Crans-Montana – 21.07.2026: Die Erinnerung an jene Neujahrsnacht ist für David Vocat nicht verblasst. Der Feuerwehrchef des Schweizer Ferienorts Crans-Montana hat in einem aktuellen Radiointerview geschildert, wie seine Kräfte beim Brand der Bar Le Constellation auf eine Lage trafen, die auch erfahrene Rettungskräfte überforderte. Er sprach über Entscheidungen unter Zeitdruck und über Bilder, die ihn bis heute begleiten.
In der Nacht zum 1. Januar 2026 war in dem Lokal im Walliser Skiort ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Nach dem von den Behörden zuletzt kommunizierten Stand starben 41 Menschen, 115 weitere wurden verletzt. Viele Betroffene hatten schwere Verbrennungen erlitten. Für den Ort, der sonst von Wintersport und Urlaub geprägt ist, wurde die Nacht zu einer Katastrophe mit Folgen weit über die Schweiz hinaus.
Vocat machte deutlich, was den Einsatz für seine Feuerwehrleute besonders schwer gemacht habe: Retter seien darauf ausgebildet, Menschen aus Gefahr zu bringen und Leben zu schützen. Doch in der Bar habe sich ihnen eine Situation geboten, in der nicht jeder Mensch habe gerettet werden können. Seine Schilderung blieb dabei zurückhaltend, gerade weil zahlreiche Angehörige und Überlebende weiterhin mit den Folgen des Brandes leben.
Der Feuerwehrchef berichtete auch von den Monaten danach. Die Belastung ende nicht mit dem Löschen der Flammen oder dem Abrücken der Fahrzeuge. Einsatzkräfte müssten mit Erinnerungen, Fragen und teils heftigen Reaktionen aus der Öffentlichkeit umgehen. Sein Bericht lenkt den Blick auf eine Gruppe, die bei großen Unglücken oft im Hintergrund bleibt: Menschen, die helfen sollen und das Erlebte dennoch nicht einfach abstreifen können.
Parallel zum persönlichen Umgang mit der Katastrophe läuft die juristische Aufarbeitung weiter. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Brandverursachung. Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Walliser Justiz gegen die Betreiber der Bar sowie gegen frühere und aktuelle Verantwortliche im Sicherheitsbereich der Gemeinde Crans-Montana.
Ob und gegen wen es später zu einer Anklage kommt, ist offen. Die Ermittler prüfen weiterhin die genauen Ursachen des Feuers, Sicherheitsvorkehrungen im Lokal und mögliche Verantwortlichkeiten. Für die Betroffenen ist das Verfahren mehr als eine Akte: Es geht um Antworten auf die Frage, warum aus einer Silvesternacht ein Unglück mit so vielen Opfern werden konnte.
Vocats Worte verändern den Ermittlungsstand nicht. Sie geben dem Geschehen aber eine menschliche Dimension. Hinter den Zahlen stehen Tote, Verletzte, Familien und Einsatzkräfte. Dass der Feuerwehrchef jetzt spricht, zeigt zugleich: Auch Monate nach dem Brand ist die Katastrophe von Crans-Montana für viele nicht abgeschlossen.
Quellen
- Franceinfo
- Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis
- Bundesamt für Justiz der Schweiz
- Le Temps