Diese unscheinbare Käsespezialität aus der Franche-Comté hat sich heimlich, still und leise einen Platz in den Herzen – und Küchen – von Menschen weit über ihre Heimatregion hinaus erobert: Die Cancoillotte. Wer sie einmal probiert hat, vergisst sie so schnell nicht. Mild, schmelzend, leicht – und mit einem Charakter, der ganz klar sagt: „Ich bin französisch, und ich bleib das auch!“
Ein Aufstieg mit Geschmack
Hergestellt aus „Metton“ – einem gereiften, entrahmten Käse – und durch langsames Schmelzen in Milch und etwas Butter veredelt, hat die Cancoillotte nicht nur die Zeiten überlebt, sondern sich weiterentwickelt. 2022 überstieg die Produktion erstmals die magische Marke von 5.000 Tonnen. Ein Zeichen dafür, dass dieser einst lokale Genuss nun in der ganzen Welt Geschmack findet.
Doch was macht sie so beliebt? Einerseits ist es ihre Leichtigkeit: Mit gerade mal 8 bis 12 Prozent Fett ist sie ein Käse für alle, die auf ihre Ernährung achten, aber nicht auf Genuss verzichten wollen. Andererseits begeistert sie durch Varianten wie Knoblauch, Schalotte oder sogar Vin Jaune – einem typischen Jura-Wein.
Qualität mit Siegel
Die Verleihung der „geschützten geografischen Angabe“ (IGP) im Jahr 2022 war für die Cancoillotte ein Meilenstein. Damit wurde offiziell anerkannt, was Kenner schon lange wussten: Dieser Käse gehört untrennbar zur Region, zu ihrer Tradition, ihrem Geschmack – und zu den Menschen, die ihn mit Hingabe herstellen.
Zwischen Tradition und Moderne
400 Milchbauern und 17 Hersteller – meist familiengeführte Betriebe oder kleine Manufakturen – bilden das Rückgrat dieser Käsesorte. Sie verbinden althergebrachte Verfahren mit modernen Anforderungen. Interessant ist auch, dass die Cancoillotte auf entrahmter Milch basiert – ein Produkt, das andernfalls oft wenig Beachtung fände. Die Branche nutzt also das, was andernorts als Reststoff gilt – clever, nachhaltig und sinnvoll.
Der Käse geht auf Reisen
Aktuell werden rund 72 Prozent der Cancoillotte in Ostfrankreich konsumiert – aber das ändert sich. In Frankreichs Großstädten wird sie zunehmend nachgefragt. In der Schweiz und Belgien finden sich Cancoillotte-Gläser in Feinkostregalen. Und in Nordamerika entdecken Foodies das cremige Gold als „hidden gem“ französischer Esskultur – besonders beliebt bei jenen, die Genuss mit einem gesunden Lebensstil verbinden möchten.
Gesundheitlich ein Volltreffer
Mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass ein französischer Käse mal als „Diätfreund“ durchgeht? Doch genau das trifft auf die Cancoillotte zu. Kaum Fett, dafür viele Proteine und Kalzium – und dazu noch ein angenehm milder Geschmack, der sich bestens mit Pasta, Kartoffeln oder sogar als Dip kombinieren lässt. Ihre seidige Konsistenz und das schnelle Schmelzverhalten machen sie zum Liebling in der warmen Küche.
Wie ein gutes altes Lied – modern interpretiert
Die Cancoillotte ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein regionales Produkt mit langer Geschichte sich neu erfinden kann, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Sie bleibt, was sie war: ein Stück Franche-Comté auf dem Teller. Doch sie ist zugleich ein Beispiel dafür, wie Handwerk, Geschmack und Nachhaltigkeit in unserer heutigen Welt zusammenkommen.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser unspektakuläre, fast vergessene Käse einmal auf internationalem Parkett tanzt?
Catherine H.
Rezept
🧀 Cancoillotte-Kartoffelgratin mit Speck und Lauch
Ein herzhafter, geschmolzener Traum für Käseliebhaber
🍽️ Für 2–3 Portionen
🛒 Zutaten:
- 500 g festkochende Kartoffeln
- 1 Stange Lauch (nur das Weiße und Hellgrüne)
- 100 g Speckwürfel (optional vegetarisch ersetzen durch Räuchertofu)
- 200 g Cancoillotte (natur oder mit Knoblauch – je nach Vorliebe)
- 100 ml Sahne oder Crème fraîche
- 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
- 1 TL Butter (für die Form)
- Salz, Pfeffer, Muskat
- Frische Petersilie (zum Garnieren, optional)
👨🍳 Zubereitung:
- Vorbereitung:
Den Ofen auf 180 °C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Eine Auflaufform mit Butter einfetten. - Kartoffeln & Lauch:
Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Lauch in feine Ringe schneiden und kurz in heißem Wasser blanchieren (ca. 2 Min.), dann abtropfen lassen. - Speck anbraten:
Die Speckwürfel in einer Pfanne ohne Fett anbraten, bis sie leicht knusprig sind. Knoblauch kurz mitbraten. Dann Lauch zugeben und 2–3 Min. mitrösten. - Schichten & Gießen:
In die Form lagenweise Kartoffeln, Lauch-Speck-Mix geben. Jede Schicht leicht salzen, pfeffern und mit Muskat würzen.
Dann die Sahne mit der Cancoillotte verrühren (leicht erwärmen hilft), über das Gratin gießen. - Ab in den Ofen:
Im vorgeheizten Ofen ca. 35–40 Minuten backen, bis die Oberfläche goldig ist und die Kartoffeln weich sind. - Servieren:
Mit frisch gehackter Petersilie bestreuen und mit einem grünen Salat servieren. Voilà!