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Nachrichten.fr · February 13, 2025

Gastronomische Wiederentdeckungen: Matelote d’Anguille aus dem Loiretal

Die französische Küche ist ein lebendiges Zeugnis regionaler Traditionen, in denen sich Jahrhunderte alte Rezepte mit modernen Gaumenfreuden vereinen. Einige Gerichte geraten jedoch im Laufe der Zeit in Vergessenheit und verdienen eine gastronomische Wiederentdeckung. Eines dieser traditionsreichen Gerichte ist die Matelote d’Anguille, ein köstliches Aalragout aus dem Loiretal, das mit einer samtigen Weinsauce verfeinert wird. Dieser Artikel widmet sich der Geschichte, den Besonderheiten und der Zubereitung dieser delikaten Speise.


Die Geschichte der Matelote d’Anguille: Eine kulinarische Reise durch die Zeit

Die Matelote d’Anguille ist ein klassisches Fischgericht der französischen Küche, das insbesondere in der Region Loiretal eine lange Tradition hat. Der Begriff Matelote leitet sich vom französischen Wort matelot (Matrose) ab, was darauf hindeutet, dass dieses Gericht seinen Ursprung in den Küchen der Flussschiffer und Fischer hat. Bereits im 17. Jahrhundert war die Matelote eine beliebte Art, Fisch in kräftiger Weinsauce zu schmoren.

Das Loiretal, das oft als „Garten Frankreichs“ bezeichnet wird, ist bekannt für seine fruchtbaren Böden und die reiche Flusslandschaft. Die Loire, Frankreichs längster Fluss, bietet eine Vielfalt an Fischarten, darunter Forellen, Zander und vor allem Aal (Anguille). Der Aal war in den Küchen der Region besonders begehrt, da er nicht nur leicht verfügbar, sondern auch reich an Geschmack und Nährstoffen ist.

Traditionell wird Matelote d’Anguille mit Weißwein oder Rotwein aus der Region zubereitet. Während an der unteren Loire um Nantes eher Weißwein (z. B. Muscadet) bevorzugt wird, verwendet man in den nördlicheren Teilen der Region gerne Rotwein (z. B. Chinon oder Saumur). Diese geschmorte Aalzubereitung war über Jahrhunderte hinweg eine Spezialität, die sowohl in Gasthäusern als auch in der gehobenen Küche geschätzt wurde.

Mit der Zeit geriet das Gericht jedoch in Vergessenheit – vermutlich, weil Aal heute seltener auf den Speisekarten zu finden ist. Doch gerade in Zeiten der kulinarischen Renaissance regionaler Spezialitäten verdient die Matelote d’Anguille eine Wiederentdeckung.


Matelote d’Anguille: Ein Klassiker der Loire-Küche

Die Matelote d’Anguille ist ein rustikales, aber raffiniertes Gericht, das die Aromen des Flusses mit den besten Weinen des Loiretals vereint. Charakteristisch für dieses Gericht ist eine samtige Sauce, die durch das Schmoren von Aal in Wein, Brühe und aromatischen Zutaten entsteht. Typische Beilagen sind Butterkartoffeln oder knuspriges Baguette, das dazu dient, die reichhaltige Sauce aufzunehmen.

Hier ist ein klassisches Rezept, um diese Spezialität zu Hause nachzukochen.


Rezept: Matelote d’Anguille (Aalragout aus dem Loiretal)

Zutaten (für 4 Personen)

Für das Aalragout:

  • 800 g frischer Aal, geschuppt, ausgenommen und in Stücke geschnitten
  • 50 g Butter
  • 100 g Schalotten, fein gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 200 g Champignons, in Scheiben geschnitten
  • 1 EL Mehl
  • 500 ml trockener Rotwein (z. B. Chinon oder Saumur)
  • 200 ml Fisch- oder Geflügelbrühe
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Zweige Thymian
  • 2 Zweige Petersilie (plus extra zum Garnieren)
  • 1 kleine Möhre, in feine Würfel geschnitten
  • 1 TL Tomatenmark
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • 2 EL Cognac oder Armagnac
  • 100 g kleine Perlzwiebeln
  • 100 g geräucherter Speck, gewürfelt

Für die Beilage:

  • 500 g kleine Kartoffeln, geschält und in Salzwasser gekocht
  • Frisches Baguette

Zubereitung

1. Aal vorbereiten

Den Aal gründlich waschen, trocknen und in etwa 5 cm lange Stücke schneiden. Falls der Aal noch eine dicke Schleimschicht hat, kann man ihn mit etwas Essigwasser oder grobem Salz abreiben und anschließend mit kaltem Wasser abspülen.

2. Grundaromen anschwitzen

In einem großen Schmortopf die Butter zerlassen und die Schalotten, Knoblauch, Möhrenwürfel sowie den Speck darin bei mittlerer Hitze glasig anschwitzen. Nach etwa 3 Minuten die Champignons und die Perlzwiebeln hinzufügen und weitere 5 Minuten braten.

3. Den Aal anbraten und ablöschen

Die Aalstücke in den Topf geben und von allen Seiten leicht anbraten. Danach das Mehl darüber stäuben und gut verrühren, sodass sich eine leichte Bindung bildet. Den Cognac hinzufügen und kurz flambieren (optional, aber authentisch).

4. Schmoren in Wein und Brühe

Den Aal mit Rotwein und Brühe ablöschen. Tomatenmark, Lorbeerblatt, Thymian und Petersilienzweige einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Deckel auf den Topf setzen und die Matelote etwa 40 Minuten bei niedriger Hitze sanft köcheln lassen.

5. Sauce verfeinern und servieren

Nach der Garzeit die Aalstücke aus der Sauce nehmen und warm halten. Die Sauce durch ein Sieb passieren, um eine glatte Konsistenz zu erhalten. Anschließend die Sauce wieder in den Topf geben und einige Minuten einkochen lassen, bis sie leicht dickflüssig ist.

Die Aalstücke wieder in die Sauce geben und mit frisch gehackter Petersilie bestreuen.

6. Servieren

Die Matelote d’Anguille wird traditionell mit Butterkartoffeln oder geröstetem Baguette serviert, um die köstliche Sauce aufzunehmen.


Fazit: Eine lohnenswerte Wiederentdeckung der Loire-Küche

Die Matelote d’Anguille ist ein eindrucksvolles Beispiel für die kulinarischen Schätze, die in der traditionellen französischen Küche schlummern. Ihr intensiver Geschmack, kombiniert mit der samtigen Weinsauce, macht sie zu einem unvergesslichen Genuss.

Während Aal heute seltener in der Küche Verwendung findet, ist es umso reizvoller, dieses historische Gericht wieder auf den Teller zu bringen. Wer das Loiretal und seine gastronomische Vielfalt entdecken möchte, sollte sich unbedingt an dieser Spezialität versuchen – ein kulinarischer Ausflug in die Vergangenheit, der sich lohnt!


Bon appétit! 🍷🐟