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Nachrichten.fr · September 15, 2024

Küche der Cévennen: Die “Castagnade” und ihre Bedeutung

Die Küche der Cévennen ist eng mit der Landschaft und den landwirtschaftlichen Produkten dieser französischen Region verbunden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Castagnade, ein Fest der Esskastanien. Die Esskastanie, oder “Châtaigne” auf Französisch, spielt seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle im Leben und auf den Tellern der Cévennen-Bewohner. Die Castagnade ist nicht nur ein Gericht, sondern eine ganze Tradition, die sich um die Ernte und Zubereitung der Kastanien dreht.

Die Geschichte der Castagnade

Die Esskastanie wird oft als “Brotbaum” bezeichnet, da ihre Früchte den Menschen in den Cévennen über Jahrhunderte als Grundnahrungsmittel gedient haben. In den abgelegenen und oft rauen Berggebieten, wo der Anbau von Getreide schwierig war, bot die Kastanie eine vielseitige und nahrhafte Alternative. Schon seit der Römerzeit ist die Esskastanie in der Region verwurzelt, doch im Mittelalter gewann sie noch mehr an Bedeutung. In Zeiten der Hungersnot oder schlechten Ernten war sie ein Retter, da man aus ihr Mehl für Brot, Püree, Suppe oder Süßspeisen herstellen konnte.

Die Kastanie wurde nicht nur in der Küche geschätzt, sondern war auch von sozialer Bedeutung. Im Herbst, zur Erntezeit der Kastanien, kamen die Dorfbewohner zusammen, um die reifen Früchte von den Bäumen zu sammeln. Diese Erntezeit, die sogenannte “Castagnade”, wurde später zu einem jährlichen Fest, das bis heute in den Dörfern der Cévennen gefeiert wird. Im Rahmen dieses Festes werden verschiedene Kastanienprodukte zubereitet und verkostet, und es gibt oft auch Tänze, Musik und Handwerksstände.

Die kulinarische Vielfalt der Esskastanie

Aus Esskastanien lassen sich viele verschiedene Gerichte zaubern. Traditionell werden die Kastanien getrocknet und gemahlen, um Mehl herzustellen, das dann für Brot, Pfannkuchen (sogenannte “Fougasse”) oder Püree verwendet wird. Frisch geerntete Kastanien können auch geröstet, gekocht oder zu Konfitüren und Desserts verarbeitet werden.

Die Castagnade ist heute zu einem Symbol der Region geworden. In den Herbstmonaten, besonders im Oktober und November, finden in den Dörfern der Cévennen verschiedene Castagnade-Feste statt. Besucher können an diesen Festen teilnehmen und lokale Kastanienprodukte probieren: vom Kastanienbrot über geröstete Kastanien bis hin zu süßen Köstlichkeiten wie Kastanienkuchen und Kastaniencreme.

Rezept für Kastanienkuchen (Gâteau aux Châtaignes)

Hier ist ein klassisches Rezept für einen Kastanienkuchen, das die süßen, erdigen Aromen der Esskastanie perfekt einfängt:

Zutaten:
  • 500 g Esskastanien (oder 300 g Kastanienpüree)
  • 150 g Zucker
  • 100 g Butter
  • 4 Eier
  • 100 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • Puderzucker zum Bestäuben
Zubereitung:
  1. Esskastanien vorbereiten: Wenn du frische Esskastanien verwendest, schneide die Schale kreuzweise ein und koche sie etwa 20 Minuten in Wasser. Danach schälst du sie und pürierst sie, bis eine feine Masse entsteht. Alternativ kannst du bereits fertiges Kastanienpüree verwenden.
  2. Teig vorbereiten: Heize den Ofen auf 180°C vor. Trenne die Eier und schlage das Eiweiß mit einer Prise Salz steif. Stelle es beiseite.
  3. Butter und Zucker: Schmelze die Butter in einem kleinen Topf und lasse sie leicht abkühlen. Gib den Zucker und die Eigelbe in eine große Schüssel und schlage sie, bis die Masse hell und schaumig wird. Füge die abgekühlte Butter, das Kastanienpüree und das Vanilleextrakt hinzu und rühre alles gut durch.
  4. Mehl und Backpulver: Mische das Mehl mit dem Backpulver und rühre es nach und nach in die Kastanienmasse. Vorsichtig den Eischnee unterheben, um den Teig luftig zu halten.
  5. Backen: Fette eine Kuchenform ein und fülle den Teig hinein. Backe den Kuchen etwa 40–45 Minuten im vorgeheizten Ofen, bis er goldbraun ist und ein in den Kuchen gesteckter Zahnstocher sauber herauskommt.
  6. Servieren: Lass den Kuchen abkühlen und bestäube ihn vor dem Servieren mit Puderzucker.

Dieser Kastanienkuchen ist saftig, leicht nussig und ein wunderbares Beispiel für die süßen Genüsse, die die Cévennen zu bieten haben.

Die Castagnade heute

Auch wenn die Esskastanie heute nicht mehr das Grundnahrungsmittel der Region ist, spielt sie in der Küche der Cévennen immer noch eine wichtige Rolle. Die Castagnade-Feste im Herbst ziehen Besucher aus ganz Frankreich und darüber hinaus an. Sie sind ein Fest der Gemeinschaft, des Essens und der Tradition – eine Gelegenheit, die reiche Kultur der Cévennen zu erleben und die köstlichen Aromen der Kastanie in all ihren Variationen zu genießen.

Die Castagnade ist also nicht nur ein kulinarisches Erlebnis, sondern auch ein Symbol für die Widerstandskraft und den Gemeinschaftssinn der Menschen in den Cévennen – eine Erinnerung daran, wie eng die Küche einer Region mit ihrer Geschichte und ihren natürlichen Ressourcen verbunden sein kann.