“Poires Tapées” ist eine einzigartige Delikatesse aus der Region Touraine an der Loire. Diese Spezialität hat eine jahrhundertealte Tradition und steht für die Kunst der Konservierung und den tiefen Respekt vor regionalen Produkten und saisonalen Schwankungen. Die „flachgeklopften Birnen“ sind nicht nur eine Delikatesse, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte, das auf eine Zeit zurückgeht, in der Einfallsreichtum notwendig war, um Früchte über lange Zeit haltbar zu machen.
Ursprung und Geschichte
Die Geschichte der „Poires Tapées“ reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 15. Jahrhundert begannen Bauern in der Touraine, eine besondere Technik zur Konservierung von Birnen zu entwickeln. In der Region war das Klima perfekt für den Birnenanbau, und die Böden entlang der Loire lieferten reichhaltige Nährstoffe. Um die Birnen über den Winter zu retten, wurden sie zunächst getrocknet und dann flachgeklopft. Diese Methode hielt die Früchte über lange Zeit haltbar, sodass die Bevölkerung auch in den Wintermonaten Zugang zu Obst hatte.
Diese Technik war besonders im 19. Jahrhundert in Rivarennes, einem kleinen Dorf in der Nähe von Tours, verbreitet. Die Menschen dort trockneten die Birnen in traditionellen Holzöfen und klopften sie danach mit einem speziellen Hammer flach, wodurch die Birnen nicht nur haltbar, sondern auch handlicher wurden. Das Klopfen gab den Birnen zudem eine festere Konsistenz und half, ihre Aromen zu konzentrieren.
Mit der Zeit ging die Nachfrage nach den „Poires Tapées“ zurück, und diese alte Konservierungsmethode geriet fast in Vergessenheit. Doch dank engagierter Handwerker und Enthusiasten erlebt die Spezialität heute eine Renaissance. Einige Betriebe haben sich darauf spezialisiert, die „Poires Tapées“ wieder in traditionellen Öfen herzustellen, und ermöglichen es so, ein Stück Geschichte zu bewahren und zu verkosten.
Der Geschmack und die Zubereitung
„Poires Tapées“ haben eine einzigartige, leicht zähe Textur und einen intensiven, süßen Geschmack, der durch den Trocknungsprozess verstärkt wird. Häufig werden sie vor dem Verzehr rehydriert, oft in Rotwein oder auch in Gewürzsirup, um ihre Textur zu beleben und den Geschmack zu intensivieren. Sie eignen sich hervorragend als Dessert, Beilage zu Käse oder als Begleiter zu Wildgerichten.
Rezept für „Poires Tapées“ in Rotwein mit Gewürzen
Hier ist ein traditionelles Rezept für „Poires Tapées“, bei dem die Birnen in Rotwein und Gewürzen rehydriert werden. Dieses Gericht kann als Dessert oder als Beilage zu herzhaften Gerichten serviert werden.
Zutaten
- 8 Poires Tapées (getrocknete und flachgeklopfte Birnen)
- 500 ml Rotwein (vorzugsweise ein vollmundiger Wein, z.B. Cabernet Franc)
- 100 g Zucker
- 1 Zimtstange
- 2-3 Nelken
- 1 Vanilleschote
- 1 Stück Orangenschale (optional)
- Ein Spritzer Birnenbrand oder Cognac (optional, für zusätzlichen Geschmack)
Zubereitung
- Rehydrieren der Birnen: Die „Poires Tapées“ in eine Schüssel geben und mit warmem Wasser bedecken. Die Birnen mindestens 4 Stunden oder über Nacht einweichen lassen, bis sie wieder etwas an Konsistenz gewonnen haben. Falls die Birnen relativ zäh bleiben, kann man sie auch für eine halbe Stunde bei niedriger Temperatur im Ofen dämpfen.
- Rotwein-Gewürz-Sud vorbereiten: Den Rotwein in einen Topf gießen und Zucker, Zimtstange, Nelken, Vanilleschote (aufgeschlitzt, damit das Aroma austreten kann) und die Orangenschale hinzufügen. Die Mischung bei mittlerer Hitze erhitzen und etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis die Aromen gut durchgezogen sind.
- Birnen im Wein ziehen lassen: Die eingeweichten Birnen abtropfen lassen und in den heißen Weinsud legen. Die Temperatur reduzieren und die Birnen bei sehr niedriger Hitze ca. 30–40 Minuten ziehen lassen, bis sie weich und aromatisch sind. Der Sud sollte nicht stark kochen, um die Aromen zu erhalten.
- Optionaler Schritt: Wer das Aroma intensivieren möchte, kann am Ende der Kochzeit einen Schuss Birnenbrand oder Cognac hinzufügen.
- Servieren: Die Birnen zusammen mit etwas von der reduzierten Weinsauce anrichten. Sie schmecken pur köstlich, passen aber auch hervorragend zu Vanilleeis oder Crème fraîche.
Serviervorschläge
- Dessert: Die Birnen lauwarm servieren und mit einer Kugel Vanilleeis oder einem Löffel Crème fraîche garnieren.
- Beilage zu Käse: Die „Poires Tapées“ mit etwas Weinsauce als Beilage zu gereiftem Käse wie einem Ziegenkäse oder einem kräftigen Blauschimmelkäse servieren.
- Herzhafte Gerichte: Sie passen auch sehr gut zu Wildgerichten, etwa zu Reh- oder Wildschweinbraten, und verleihen dem Gericht eine süßliche, fruchtige Note.
Fazit
„Poires Tapées“ sind mehr als nur eine Delikatesse – sie sind ein Stück französische Geschichte, das eine alte Tradition der Konservierung widerspiegelt und die kreative Küche der Touraine in all ihrer Einfachheit und Raffinesse zeigt. Sie sind nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern auch eine Hommage an das handwerkliche Können der Region und ein kulinarisches Erbe, das sich zu bewahren lohnt.