Paris – 30.06.2026: In einer öffentlich angesetzten Anhörung haben sich am Dienstag vier Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs der Organisation internationale de la Francophonie (OIF) den Außenministern der Mitgliedstaaten gestellt. Unter dem Vorsitz des kambodschanischen Außenministers Prak Sokhonn absolvierte das Quartett in Paris einen strukturierten Grand Oral mit Kurzstatements, Programmskizzen und einem Frageblock aus den Delegationen.
Erwartet wurde die amtierende Generalsekretärin Louise Mushikiwabo, die seit 2019 im Amt ist und Kontinuität verspricht. Herausgefordert wird sie von Juliana Amato Lumumba aus der Demokratischen Republik Kongo, die für einen Generationenwechsel und stärkere afrikanische Mitsprache wirbt, der mauretanischen Diplomatin Coumba Bâ, die die Perspektive kleinerer und ärmerer Mitgliedstaaten betonte, sowie vom ehemaligen rumänischen Premierminister Dacian Cioloș, der Verwaltungserfahrung und europäische Netzwerke ins Feld führte. Nach Angaben aus Delegationskreisen standen die finanzielle Steuerung der OIF, die Förderung des Französischen in Bildung und digitalen Medien sowie die Positionierung der Organisation in multilateralen Partnerschaften im Zentrum der Nachfragen.
Die OIF vereint mehr als 80 Staaten und Regierungen mit unterschiedlichem Status und bewegt sich im Spannungsfeld von Kulturpolitik, Entwicklungszusammenarbeit und diplomatischer Koordination. Vor diesem Hintergrund zielte das Format auf belastbare Prioritäten: von Sprachpolitik und kultureller Kreativwirtschaft über Frauen- und Jugendförderung bis zur Rolle frankophoner Länder bei Friedenseinsätzen und bei der Regulierung digitaler Plattformen. Mehrere Delegationen fragten nach messbaren Indikatoren für Projektwirkungen, nach Transparenz in der Mittelvergabe und nach Wegen, Doppelstrukturen mit anderen internationalen Organisationen zu vermeiden.
Für Mushikiwabo steht die Bilanz der vergangenen Jahre zur Debatte, darunter Programme zur Alphabetisierung, zur beruflichen Bildung und zur Unterstützung frankophoner Medien. Die Gegenkandidaten drängten auf eine Modernisierung der Governance, eine stärkere Regionalisierung von Projekten und auf klare Kriterien, mit denen sich die Wirksamkeit im globalen Süden überprüfen lässt. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, dass die Bereitschaft zur Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und mit nationalen Kulturinstituten als Lackmustest für die kommende Amtsführung gilt.
Mit dem Grand Oral hat die OIF einen Schritt hin zu mehr Transparenz im Auswahlprozess gesetzt. Formell ist er der Auftakt zu weiteren Beratungen vor der Entscheidung der Staats- und Regierungschefs beim nächsten Gipfel in Phnom Penh. Dort fällt die Wahl, ob der bisherige Kurs bestätigt oder ein Neuanfang markiert wird. Bis dahin arbeiten die Delegationen an Bewertungsrastern und bilateralen Abstimmungen, um programmatische Zusagen der Bewerber in prüfbare Mandatsziele zu übersetzen.
Quellen
- franceinfo
- Actualite.cd
- Corps Diplomatic News
- Afrimag