Zurück

Nachrichten.fr · 26.05.2026

Frankreich investiert erneut Milliarden in die Problemstrecke Clermont–Paris

Die französische Regierung kündigt eine weitere milliardenschwere Modernisierung der Bahnverbindung zwischen Clermont-Ferrand und Paris an. Verkehrsminister Philippe Tabarot stellte zusätzliche Investitionen von 450 Millionen Euro für die Jahre 2028 bis 2031 in Aussicht. Damit soll eine Strecke saniert werden, die seit Jahren als Symbol für die strukturellen Schwächen des klassischen französischen Eisenbahnnetzes gilt.

Bereits zwischen 2018 und 2027 flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Verbindung. Dennoch blieb die Strecke immer wieder wegen massiver Verspätungen, technischer Ausfälle und kurzfristiger Zugstreichungen in den Schlagzeilen. In Frankreich wird die Linie seit langem als „ligne maudite“ – die „verfluchte Strecke“ – bezeichnet. Besonders für die Bewohner des Zentralmassivs entwickelte sich die Bahnverbindung zu einem politischen Reizthema, das weit über regionale Verkehrspolitik hinausweist.

Die neuen Mittel sollen vor allem in die grundlegende Erneuerung der Infrastruktur fließen. Vorgesehen sind der Austausch alter Schienen und Oberleitungen, die Modernisierung der Signaltechnik sowie zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung von Bahnübergängen. Auch Probleme mit Wildtieren auf den Gleisen, die immer wieder zu Betriebsunterbrechungen führen, sollen gezielt reduziert werden. SNCF Réseau verfolgt damit das Ziel, die Zuverlässigkeit der Strecke dauerhaft zu erhöhen.

Ein zentraler Bestandteil der Modernisierung ist zudem die Einführung der neuen „Oxygène“-Züge. Die ersten kommerziellen Fahrten dieser neuen Zugflotte sind mittlerweile für den Sommer 2027 angekündigt. Die Fahrzeuge sollen mehr Komfort bieten, energieeffizienter sein und zugleich die häufig kritisierte Pannenanfälligkeit der bisherigen Wagen reduzieren. Für die Regierung ist das Projekt daher auch ein sichtbares Signal, dass der französische Staat wieder stärker in das klassische Fernverkehrsnetz investiert.

Hinzu kommt die Hoffnung auf kürzere Reisezeiten. Nach Angaben des Verkehrsministeriums könnten die schnellsten Verbindungen ab dem Fahrplanwechsel 2028 rund zehn Minuten schneller zwischen Clermont-Ferrand und Paris verkehren. Nutzerverbände halten dies jedoch für unzureichend. Sie fordern langfristig eine Fahrzeit von etwa zweieinhalb Stunden, um die Region wirtschaftlich besser an die Hauptstadt anzubinden.

Politisch besitzt die Strecke mittlerweile eine hohe symbolische Bedeutung. Während Frankreich jahrzehntelang vor allem auf den Ausbau des TGV-Netzes setzte, gerieten viele konventionelle Fernstrecken außerhalb der großen Metropolen zunehmend ins Hintertreffen. Die Verbindung Clermont–Paris steht exemplarisch für dieses Ungleichgewicht. Die aktuellen Investitionen markieren deshalb auch einen Kurswechsel: Paris versucht erkennbar, den Modernisierungsstau im traditionellen Bahnnetz schrittweise abzubauen und den Regionen außerhalb der Hochgeschwindigkeitsachsen neue Aufmerksamkeit zu schenken.

Autor: P. Tiko