Paris – 17.06.2026: Das französische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das die Entschädigung der "Kinder von La Réunion" vorsieht, die zwischen 1962 und 1984 von der Insel in verschiedene französische Regionen gebracht wurden. Diese Kinder wurden im Rahmen einer staatlich organisierten Umsiedlungspolitik von La Réunion auf das französische Festland gebracht. Ziel war es, ländliche Gebiete zu besiedeln und Arbeitskräfte bereitzustellen. Allerdings wurden viele dieser Kinder von ihren Familien getrennt und erlebten Misshandlungen sowie kulturelle Entfremdung.
Die Gesetzesinitiative wurde von der Abgeordneten Karine Lebon (GDR) vorangetrieben und zielt darauf ab, die Verantwortung des Staates anzuerkennen und den betroffenen Personen eine finanzielle Entschädigung zu bieten. Zudem wird eine Kommission für die Erinnerung an die ehemaligen minderjährigen Umsiedler von La Réunion eingerichtet, die Empfehlungen zur Aufarbeitung der Geschichte erarbeiten soll. Ein weiterer Bestandteil des Gesetzes ist die Einführung eines nationalen Gedenktages am 18. Februar, um der Opfer zu gedenken.
Die Gesetzesvorlage wurde am 28. Januar 2026 von der Nationalversammlung einstimmig angenommen. Sie erkennt ausdrücklich die Verantwortung des Staates an und führt die offizielle Bezeichnung "transplantierte Minderjährige aus La Réunion" ein, um die nationale Dimension der Umsiedlungspolitik hervorzuheben. Zuvor wurde der Begriff "Kinder von der Creuse" verwendet, der die Ausmaß der Umsiedlung nicht vollständig widerspiegelte.
Die finanzielle Entschädigung wird als Pauschalbetrag bereitgestellt, der über einen vom Staat eingerichteten Fonds ausgezahlt wird. Dieser Betrag soll alle Arten von erlittenen Schäden abdecken. Die genauen Modalitäten für die Beantragung und Auszahlung der Entschädigung werden durch ein Dekret festgelegt, das nach Konsultationen mit der eingerichteten Kommission erlassen wird.
Die Schaffung der Kommission für die Erinnerung zielt darauf ab, die Aufarbeitung der Geschichte voranzutreiben und die Versöhnung zwischen den ehemaligen Umsiedlern, ihren Nachkommen, den beteiligten Verbänden, den lokalen Behörden und dem Staat zu fördern. Zudem soll in der Creuse ein Erinnerungsort mit kultureller, pädagogischer und wissenschaftlicher Ausrichtung geschaffen werden.
Die Einführung des nationalen Gedenktages am 18. Februar soll dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Geschichte zu schärfen und den Opfern Anerkennung zu verschaffen. Dieser Tag wird künftig in Schulen und öffentlichen Einrichtungen begangen, um die Erinnerung an die "transplantierten Minderjährigen aus La Réunion" lebendig zu halten.
Diese Gesetzesinitiative stellt einen bedeutenden Schritt in der Aufarbeitung der Vergangenheit Frankreichs dar und zielt darauf ab, den betroffenen Personen Gerechtigkeit und Anerkennung zu verschaffen. Sie folgt ähnlichen Reparationsgesetzen für andere Gruppen, wie beispielsweise den Harkis im Jahr 2022 und den Rückkehrern aus Nordafrika im Jahr 2005.
Die Umsetzung dieses Gesetzes wird nun von den zuständigen Ministerien und der neu gegründeten Kommission vorangetrieben, um sicherzustellen, dass die vorgesehenen Maßnahmen effektiv und gerecht umgesetzt werden.
Quellen
- Assemblée nationale
- Karine Lebon
- Comité pour la mémoire des anciens mineurs de La Réunion transplantés
- Journée nationale d'hommage aux mineurs de La Réunion transplantés
- Loi du 28 janvier 2026
- Décret d'application
- Fonds de réparation
- Département de la Creuse