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Patrice Tiko · 17.06.2026

Frankreich verabschiedet Gesetz zur Entschädigung der “Kinder von La Réunion”

Paris – 17.06.2026: Das französische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das die Entschädigung der sogenannten "Kinder von La Réunion" regelt. Dabei handelt es sich um Kinder, die zwischen 1962 und 1984 im Rahmen einer staatlich organisierten Umsiedlungspolitik von der Insel La Réunion auf das französische Festland gebracht wurden. Diese Umsiedlungen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Familien und gelten heute als historische Ungerechtigkeit.

Die Abgeordnete Karine Lebon (GDR) stellte die Gesetzesinitiative vor und hob hervor, dass es darum gehe, die Verantwortung des Staates anzuerkennen und die Erinnerung an diese Ereignisse wachzuhalten. Sie betonte, dass durch das Gesetz zwar die verlorene Kindheit nicht zurückgegeben werden könne, aber dennoch ein wichtiger Schritt für die Opfer und die kollektive Erinnerung gemacht werde.

Das Gesetz führt erstmals die offizielle Bezeichnung "transplantierte Minderjährige aus La Réunion" ein, um die nationale Dimension der Umsiedlungspolitik zu verdeutlichen. Wesentlicher Bestandteil ist ein neu einzurichtender Fonds, aus dem finanzielle Entschädigungen an die Betroffenen ausgezahlt werden sollen. Die konkreten Modalitäten der Entschädigung werden in den kommenden Monaten ausgearbeitet.

Zudem sieht das Gesetz die Einrichtung einer Kommission für die Erinnerung vor. Diese soll die Umsetzung der Empfehlungen eines vorherigen Berichts der temporären Informations- und Forschungskommission zur Umsiedlung der Kinder aus La Réunion begleiten. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Organisation einer nationalen Gedenkfeier am 18. Februar sowie die Schaffung eines Ortes der Erinnerung im Département Creuse, einer der betroffenen Regionen.

Die Gesetzesinitiative fand parteiübergreifende Unterstützung. Karine Lebon bezeichnete die Verabschiedung als einen „historischen“ Moment für die Anerkennung der Opfer und für die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der französischen Geschichte. Sie betonte, dass es nicht nur um Reparatur gehe, sondern darum, das Mögliche zurückzugeben und die Erinnerung zu fördern.

Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes wird ein bedeutender Schritt unternommen, um die erlittenen Ungerechtigkeiten anzuerkennen und den Betroffenen eine Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Die Arbeit der Kommission für die Erinnerung soll gleichzeitig dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für diese Geschichte zu stärken und die Erfahrungen der Betroffenen sichtbar zu machen.

Die Umsetzung des Gesetzes wird in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt, da sie einen entscheidenden Beitrag zur Versöhnung leisten kann. Es bleibt zu beobachten, wie die Entschädigungsregelungen umgesetzt werden und welche sozialen sowie politischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Insgesamt markiert das neue Gesetz einen weitreichenden Schritt bei der Aufarbeitung der französischen Geschichte und der Anerkennung der Rechte der sogenannten "Kinder von La Réunion".

Quellen

  • AA.com.tr
  • Justice-Initiative.eu
  • Senat.fr