Frankreichs kommunale Straßen ächzen unter der Last der Vernachlässigung – und die Verantwortlichen vor Ort schlagen Alarm. Die Association des maires de France (AMF), also der Verband der französischen Bürgermeister, weist eindringlich auf die prekäre Lage hin: Tausende Kilometer Straßen und unzählige Brücken sind marode, und das Geld für die Instandhaltung fehlt an allen Ecken und Enden.
Eine Misere, die nicht nur Schlaglöcher hinterlässt – sondern tiefe Risse in der territorialen Gerechtigkeit und der Sicherheit der Bürger.
717.000 Kilometer Verantwortung – und kaum Geld
Zahlen, die einem schwindlig machen: 717.000 Kilometer Straßen und über 120.000 Brücken – das alles liegt im Zuständigkeitsbereich der französischen Kommunen und interkommunalen Zusammenschlüsse. Damit stemmen sie mehr als 65 Prozent des gesamten nationalen Straßennetzes.
Ein gigantisches Erbe – doch mit leeren Taschen.
Der französische Staat kassiert jährlich rund 45 Milliarden Euro durch straßenbezogene Einnahmen: Steuern auf Kraftstoffe, Zulassungsgebühren, Mautgebühren und Bußgelder. Und wie viel davon fließt zurück in die Kommunen für den Erhalt ihrer Straßen? Gerade mal rund eine Milliarde Euro. Ein Tropfen auf den heißen Asphalt.
Wenn der Asphalt bröckelt
Die Folgen dieser finanziellen Schieflage sind längst sichtbar – und spürbar. Die Straßen verfallen zusehends. Schlaglöcher, bröckelnde Brücken, rissige Fahrbahnen. Das gefährdet nicht nur die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, sondern beeinträchtigt auch den Alltag vieler Menschen. Besonders in ländlichen Gebieten, wo das Auto oft das einzige Verkehrsmittel ist.
Und als ob das nicht schon genug wäre, spielt das Klima zunehmend gegen die Infrastruktur. Hitzewellen, Überschwemmungen, Frostperioden – extreme Wetterereignisse setzen dem Straßennetz schwer zu. Ein Paradebeispiel für die Tücken des Klimawandels im Alltag.
Neue Regeln, alte Probleme
Dazu kommen immer strengere Vorschriften in Sachen Sicherheit und Umwelt. Die Anforderungen steigen – aber das Budget bleibt mager. Die Kommunen sitzen zwischen Baum und Borke: Sie sollen modernisieren, anpassen, reparieren – doch wie ohne Mittel?
Es ist ein Teufelskreis.
AMF macht Druck: Zeit für ein faires Finanzierungsmodell
Die Bürgermeister sehen Handlungsbedarf – und das dringend. Die AMF schlägt konkrete Maßnahmen vor, um den gordischen Knoten zu durchtrennen:
- Mehr Geld für die Kommunen: Ein Teil der Straßensteuern, die derzeit vom Staat eingezogen werden, soll direkt an die Kommunen fließen. Schließlich tragen sie die Hauptlast des Unterhalts.
- Nutzer sollen mitzahlen: Unternehmen, die das Straßennetz mitnutzen – etwa Betreiber von Strom-, Gas- oder Telekommunikationsleitungen – könnten finanziell eingebunden werden.
- Bußgelder sinnvoll einsetzen: Die Einnahmen aus kommunalen Strafzetteln sollten zum Teil direkt in den Straßenbau zurückfließen.
- Ländliche Mobilität stärken: Das sogenannte „Versement Mobilité“ – eine Umlage für den öffentlichen Verkehr – müsste überarbeitet werden, damit es auch abgelegene Regionen erreicht, ohne kleine Betriebe zusätzlich zu belasten.
- Mehr Mitsprache für lokale Akteure: Bei großen Verkehrsprojekten wie Metropolregionen-schnellverbindungen sollten die Kommunen stärker eingebunden werden.
Straße schlägt Schiene?
Ein oft übersehener Fakt: Rund 90 Prozent aller Wege in Frankreich werden mit dem Auto zurückgelegt. So sehr der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gefordert wird – die Straße bleibt das Rückgrat der Mobilität. Und was nützen modernste Züge, wenn die Zufahrtsstraßen zum Bahnhof einer Mondlandschaft gleichen?
Diese Realität darf bei der Verkehrsplanung nicht aus den Augen verloren werden. Die AMF pocht deshalb auf ein ausgewogenes Konzept, das den Bedürfnissen der ländlichen Regionen ebenso gerecht wird wie denen der Städte.
Ein Flickenteppich mit Zukunft?
Bleibt die Frage: Wird das Straßennetz der Kommunen weiter Stück für Stück zerfallen, während in den Ballungszentren Milliarden in Hightech-Verkehrsprojekte fließen? Oder gelingt es, ein Gleichgewicht herzustellen – zwischen Stadt und Land, zwischen Schiene und Straße?
Die Bürgermeister haben jedenfalls klargemacht: So kann es nicht weitergehen. Die Straße ist mehr als nur ein Asphaltband – sie verbindet Menschen, Regionen, Lebenswelten. Und ohne ein stabiles Fundament bricht diese Verbindung irgendwann ab.
Das will niemand ernsthaft riskieren – oder doch?
Catherine H.