Paris – 09.07.2026: Der französische Bildungsminister Édouard Geffray bekräftigt, zum Schuljahresbeginn 2026 stünden ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung. Er verweist auf eine höhere Zahl zugelassener Bewerberinnen und Bewerber sowie auf ausgeweitete Stellenkontingente in den Lehramtswettbewerben. Nach seinen Angaben kehre sich damit der Trend unbesetzter Posten um. Grundlage seien die jüngst veröffentlichten Verfügungen zur Verteilung der Stellen für das Schuljahr 2026, die auf der Plattform devenirenseignant.gouv.fr abrufbar sind. Dort werden sowohl die Kontingente für das Grundschullehramt (CRPE) als auch für die Sekundarstufenwettbewerbe aufgeführt.
Nach ministeriellen Angaben wurden die Kontingente für 2026 spürbar angehoben. Parallel greift eine Reform der Lehrerausbildung, die den Einstieg über verschiedene Studienstände (Licence 3 bis Master 2) ermöglicht und den Bewerberkreis verbreitern soll. Das Ministerium rechnet dadurch mit einem größeren Pool an Kandidatinnen und Kandidaten, die zügig in den Schuldienst einmünden können. In den kommenden Wochen erfolgt die Zuweisung der Stagiaires an die Académies – ein Verwaltungsschritt, der darüber entscheidet, ob die rechnerischen Fortschritte auch tatsächlich zu besetzten Klassen führen.
Gewerkschaften und Fachleute erkennen eine Entspannungstendenz an, verweisen jedoch auf anhaltende Risiken. Genannt werden insbesondere regionale Ungleichgewichte zwischen stark nachgefragten Ballungsräumen und ländlichen Gebieten, Fächer mit strukturellem Mangel – etwa Mathematik oder einzelne berufliche Fachrichtungen – sowie Fragen der Qualifizierung. Die Direction de l’Évaluation, de la Prospective et de la Performance (DEPP) beschreibt in jüngsten Analysen heterogene Profile unter den Zugelassenen. Daraus leiten Kritiker die Sorge ab, dass Lücken zwar zahlenmäßig geschlossen, pädagogische Anforderungen in der Praxis aber nicht immer sofort erfüllt werden.
Die politische Debatte dreht sich damit um das Verhältnis von Quantität und Qualität der Rekrutierung. Die Regierung bewertet die gestiegenen Zulassungen als Indiz für die Wirksamkeit der Reform, die neben neuen Zugangspfaden auch eine engere Verzahnung von Studium und Praxis vorsieht. Verbände fordern hingegen belastbare Garantien für begleitende Maßnahmen: beginnende Lehrkräfte bräuchten Betreuung in den Schulen, verlässliche Fortbildung und transparente Zuweisungsverfahren, damit Versetzungswünsche, Mobilität und familiäre Aspekte mit dem Unterrichtsbedarf in Einklang gebracht werden können.
Entscheidend wird, ob die angekündigten Stellen zu Beginn des Schuljahres tatsächlich im Klassenzimmer ankommen. Dafür sind eine enge Abstimmung zwischen Ministerium, Académies und Inspektoraten sowie rechtzeitig abgeschlossene Verträge für Stagiaires und Vertretungskräfte notwendig. Mittelfristig hängt die Stabilisierung des Systems davon ab, ob die Reform genügend qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten dauerhaft bindet – durch klare Karrierewege, konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen und eine Ausbildung, die fachliche Tiefe und pädagogische Praxis gleichermaßen stärkt.
Quellen
- Franceinfo
- TF1 Info
- Le Monde
- devenirenseignant.gouv.fr
- DEPP