Grenoble – 20.07.2026: Die Stadt Grenoble will nach dem Abbruch eines Konzerts der DJ Barbara Butch Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Buergermeisterin Laurence Ruffin kündigte den Schritt am Montag an. Der Auftritt beim stadtischen Festival Cabaret Frappe war am Samstag, 18. Juli, im Jardin de Ville nach etwa 20 Minuten beendet worden. Ausloeser waren eine Protestaktion und Bedrohungen, die nach Darstellung der Stadt die Sicherheit auf dem Gelaende beeintraechtigten.
Was auf einer Sommerbuehne als gemeinsamer Abend beginnen sollte, kippte nach den bisherigen Berichten rasch. Eine Gruppe pro-palaestinensischer Aktivisten hatte den Auftritt begleitet, Parolen gerufen sowie Transparente, Kufiyas und palaestinensische Fahnen gezeigt. Die Stadtverwaltung erklaerte, es habe Einschuechterungen und Gewalt gegen die Künstlerin und anwesende gewaehlte Vertreter gegeben. Lokale Medien berichteten zudem von geworfenen Gegenstaenden. Diese Vorwuerfe müssen nun Ermittlungen klaeren.
Die Veranstalter brachen das Set ab, um Publikum, Personal und Künstlerin zu schuetzen. Die Stadt Grenoble stellte sich anschliessend hinter den Festivalverein Retour de Scene und dessen Teams. Sie betonte zugleich, künstlerische Programmfreiheit duerfe nicht durch Drohungen oder Druck ausser Kraft gesetzt werden. Für die Besucherinnen und Besucher bedeutete der Abbruch einen unvermittelten Schluss eines Konzerts, das Teil des kostenlosen Sommerfestivals im Stadtzentrum war.
Dem Protest war seit Mai ein Boykottaufruf vorausgegangen, den unter anderem die Grenobler Gruppe von La France insoumise unterstuetzt hatte. Kritisiert wurde Barbara Butchs Unterzeichnung eines Aufrufs zugunsten eines inzwischen zurueckgezogenen Gesetzesvorhabens gegen neue Formen des Antisemitismus. Der lokale LFI-Stadtrat Allan Brunon war laut Berichten am Ort der Kundgebung. Eine individuelle Verantwortung für die Vorfälle ist daraus jedoch nicht abzuleiten.
Laurence Ruffin sprach von einem schwerwiegenden Vorgang und kündigte an, die Stadt wolle gerichtlich klaeren lassen, was geschehen sei und wer gegebenenfalls dafuer einzustehen habe. Die Anzeige gegen Unbekannt richtet sich damit nicht vorab gegen bestimmte Personen. Ob und gegen wen Polizei oder Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen, war am Montag zunächst nicht oeffentlich bekannt.
Der Fall reicht über Grenoble hinaus, weil er eine aufgeladene Grenze beruehrt: Protest ist geschuetzt, doch die Unterbrechung einer Veranstaltung durch Einschuechterung oder Gewalt kann nicht als normale politische Auseinandersetzung gelten. Für Barbara Butch, die seit Wochen Ziel einer politischen Kontroverse war, blieb von diesem Abend vor allem ein abgebrochener Auftritt. Die Justiz soll nun die Fakten von Deutungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen trennen.
Quellen
- Ville de Grenoble
- Franceinfo
- Agence France-Presse via Swissinfo
- Le Dauphine Libere