Paris – 11.07.2026: Grosseltern bleiben in Frankreich während der Schulferien ein wesentlicher Rueckhalt für Familien. Nach einer am Samstag von Franceinfo aufgegriffenen Erhebung wuenschen sich 84 Prozent der Eltern einige Stunden Zeit für sich. Die Betreuung der Kinder durch Grosseltern schafft dafuer Spielraum und ermoeglicht zugleich Begegnungen zwischen Generationen, die im Alltag vieler Haushalte seltener geworden sind.
Die Rolle der Grosseltern geht dabei über eine gelegentliche Ferienhilfe hinaus. Die staatliche Forschungsstelle Drees stellte bereits in einer umfangreichen Untersuchung fest, dass rund zwei Drittel der Kinder unter sechs Jahren in Frankreich zumindest gelegentlich von ihren Grosseltern betreut werden. Diese Betreuung findet regelmäßig, als kurzfristige Hilfe oder an Wochenenden und in den Ferien statt.
Damit erfuellen Grosseltern eine Funktion, die im französischen System der Kinderbetreuung zwar informell organisiert ist, für viele Familien aber erhebliches Gewicht hat. Oeffentliche Krippen, Tagespflegepersonen und Freizeiteinrichtungen decken den Bedarf nicht zu allen Zeiten ab. Besonders während der langen Sommerferien, bei wechselnden Arbeitszeiten oder unerwarteten Ausfaellen kann das familiaere Netz eine Luecke schliessen.
Die Unterstuetzung hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Betreuung innerhalb der Familie reduziert Ausgaben für externe Angebote und erleichtert Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Zugleich darf sie nicht als unbegrenzt verfuegbare Ersatzleistung betrachtet werden: Gesundheit, Entfernung zwischen den Wohnorten und eigene Verpflichtungen begrenzen die Moeglichkeiten vieler aelterer Menschen. Verlaessliche Absprachen zwischen den Generationen bleiben daher entscheidend.
Nach Daten einer Ifop-Befragung aus dem Jahr 2021 verbringen 93 Prozent der befragten Grosseltern gerne Zeit mit ihren Enkelkindern, und 85 Prozent beschreiben das Verhaeltnis als vertrauensvoll und eng. Mehr als die Haelfte kuemmert sich demnach mindestens eine Stunde pro Woche um Enkelkinder. Solche Befunde belegen vor allem die hohe Bedeutung der Beziehung; eine medizinisch gesicherte Verjuengungswirkung laesst sich daraus jedoch nicht ableiten.
Die Behauptung, der Umgang mit Enkelkindern halte Grossmuetter oder Grossvaeter jung, ist deshalb eher als alltagssprachliche Beschreibung zu verstehen. Gemeinsame Aktivitaeten, soziale Einbindung und das Gefuehl, gebraucht zu werden, koennen das Wohlbefinden foerdern. Wissenschaftlich haengt die Gesundheit im Alter aber von zahlreichen Faktoren ab, darunter Einkommen, Wohnsituation, Bewegung, medizinische Versorgung und soziale Kontakte ausserhalb der Familie.
Für die Familienpolitik verweist das Thema auf eine strukturelle Frage. Die Betreuung durch Grosseltern staerkt den Zusammenhalt, darf aber den Ausbau professioneller und bezahlbarer Angebote nicht ersetzen. Wo private Unterstuetzung fehlt, trifft die Belastung Alleinerziehende und einkommensschwaechere Haushalte besonders stark. Die Ferienbetreuung bleibt damit nicht nur eine Frage der Organisation, sondern auch der sozialen Gleichheit.
Quellen
- Franceinfo
- Direction de la recherche, des etudes, de l'evaluation et des statistiques (Drees)
- Ifop