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Nachrichten.fr · September 26, 2025

Épinal – Eine Stadtführung voller Geschichten, Bilder und Geheimnisse

Épinal – schon der Name klingt wie ein leichtes Flattern im Ohr. Eine Stadt im Herzen der Vogesen, die weit mehr ist als nur eine hübsche Kulisse. Hier treffen jahrhundertealte Traditionen auf eine charmante Lebendigkeit. Wer durch die Straßen schlendert, spürt sofort: Hier erzählen selbst die Häuser Geschichten, und hinter jeder Ecke wartet eine kleine Überraschung.

Doch wie entdeckt man Épinal am besten? Natürlich zu Fuß! Nur so erlebt man die Stadt mit allen Sinnen – den Geruch frisch gebackener Madeleines in einer Seitenstraße, das leise Plätschern der Mosel oder das bunte Treiben auf dem Place des Vosges.

Komm, wir starten unsere Tour.


Überblick über Épinal

Épinal liegt im Département Vosges in der Region Grand Est und ist mit knapp 33.000 Einwohnern die Hauptstadt des Départements. Bekannt wurde die Stadt vor allem durch die berühmten Bilder von Épinal, farbenfrohe Drucke, die seit dem 18. Jahrhundert in die ganze Welt hinausgingen. Doch die Stadt bietet weit mehr: historische Bauwerke, grüne Parks, romantische Flussufer und eine Atmosphäre, die sich irgendwo zwischen gemütlich und lebendig bewegt.

Die Mosel fließt mitten durch die Stadt und teilt sie quasi in zwei Gesichter: Auf der einen Seite das alte Épinal mit seinen malerischen Gassen, auf der anderen Seite modernere Viertel mit Geschäften und Cafés. Dieser Kontrast macht den Reiz aus.


Erste Station: Château d’Épinal

Unser Spaziergang beginnt mit einem kleinen Aufstieg. Vom Zentrum aus läuft man rund 15 Minuten bergauf – vorbei an kleinen Wohnhäusern und gepflegten Gärten – bis man die Ruinen des Château d’Épinal erreicht.

Die Burg stammt ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert und diente lange Zeit als Schutz- und Residenzort der Bischöfe von Metz. Zwar blieb nach der Zerstörung im 17. Jahrhundert nur eine Ruine übrig, doch die Atmosphäre dort oben ist einzigartig. Zwischen den alten Mauern weht ein Hauch von Mittelalter, und der Ausblick auf die Stadt ist schlicht beeindruckend.

Im angeschlossenen Park entdeckt man einen Tiergarten, Spielplätze und Spazierwege – perfekt, um kurz durchzuatmen. Wer Lust hat, kann sogar den Turm erklimmen und sich wie ein kleiner Ritter fühlen.


Zweite Station: Basilika Saint-Maurice

Zurück in die Innenstadt. Vom Schloss geht es hinunter Richtung Fluss – ein gemütlicher Spaziergang durch grüne Wege führt uns direkt in die Altstadt.

Hier wartet die Basilika Saint-Maurice, ein echtes Schmuckstück. Der Bau begann im 11. Jahrhundert und zog sich über Jahrhunderte, was man heute noch am bunten Stilmix erkennt: romanische Elemente, gotische Erweiterungen, barocke Details.

Besonders faszinierend sind die Glasfenster, die das Licht in leuchtenden Farben auf den Steinboden werfen. Ein Tipp: Stell dich mal kurz in die Mitte des Kirchenschiffs und schau nach oben – das Gefühl von Weite ist kaum in Worte zu fassen.


Dritte Station: Musée de l’Image

Nur wenige Minuten zu Fuß entfernt, über die Moselbrücke, erreicht man das Musée de l’Image. Schon von außen wirkt das moderne Gebäude wie ein Kontrast zur historischen Umgebung. Doch drinnen entfaltet sich die ganze Welt der berühmten Épinal-Drucke.

Seit dem 18. Jahrhundert prägten die farbigen Holzschnitte und Lithografien die Kultur Frankreichs – von Volksmärchen über religiöse Szenen bis hin zu politischen Karikaturen. Das Museum zeigt sowohl alte Originale als auch zeitgenössische Künstler, die mit diesem Medium arbeiten.

Hast du dir schon einmal überlegt, wie stark Bilder unser Denken beeinflussen? In Épinal wird diese Frage plötzlich greifbar.


Vierte Station: Place des Vosges

Zeit für eine Pause. Vom Museum aus spazieren wir zurück über die Brücke in Richtung Place des Vosges, dem zentralen Platz der Stadt.

Hier pulsiert das Leben. Cafés mit kleinen Terrassen, elegante Arkaden, Menschen, die sich treffen, reden, lachen. Der Platz entstand im 18. Jahrhundert und trägt denselben Namen wie der berühmte Platz in Paris – aber wirkt weit entspannter.

Setz dich für einen Moment hin, bestell dir einen Kaffee oder ein Glas Vin de Lorraine, und beobachte das Treiben. Manchmal sind diese kleinen Momente die schönsten einer Reise.


Fünfte Station: Musée Départemental d’Art Ancien et Contemporain

Nur wenige Schritte weiter befindet sich eines der kulturellen Highlights: das Musée Départemental d’Art Ancien et Contemporain.

Das Museum vereint Gegensätze – alte Meister wie Rembrandt, Bruegel oder Georges de La Tour hängen hier neben zeitgenössischen Künstlern. Eine Reise durch Jahrhunderte Kunstgeschichte, komprimiert in einem Gebäude.

Besonders spannend: die Sammlung lothringischer Kunstwerke, die ein ganz eigenes Licht auf die Region wirft. Wer glaubt, Kunst sei nur was für Experten, der wird hier eines Besseren belehrt.


Kulturelle Höhepunkte unterwegs

Épinal lebt von seinen Festen und Veranstaltungen. Jedes Jahr im Sommer findet das Festival Rues & Cies statt – ein Straßenkunstfestival, bei dem Jongleure, Musiker und Akrobaten die Innenstadt in eine große Bühne verwandeln.

Im Herbst lockt die Imagerie d’Épinal Besucher aus aller Welt an, wenn die berühmte Druckerei ihre Türen öffnet. Man kann live erleben, wie die traditionellen Holzschnitte entstehen. Der Geruch von Druckerschwärze liegt in der Luft, während die Maschinen rhythmisch klackern – ein Erlebnis wie aus einer anderen Zeit.


Kulinarische Highlights

Natürlich darf auch der Genuss nicht fehlen. Die Vogesen-Küche ist bodenständig und voller Geschmack.

Probier unbedingt die Quiche Lorraine, die hier ganz traditionell serviert wird. Oder die Tourte Vosgienne, eine herzhafte Pastete mit Fleischfüllung.

Zum Nachtisch passt ein Stück Tarte aux Myrtilles, Heidelbeerkuchen, der mit den wild wachsenden Beeren der Vogesen gebacken wird. Dazu vielleicht ein kleines Glas Mirabellenlikör – der wärmt sogar an einem kühlen Abend.

Und falls du morgens früh unterwegs bist: Halte nach einer Madeleine Ausschau, frisch aus dem Ofen. Der Duft allein macht glücklich.


Empfehlungen für einen perfekten Tag

Épinal ist keine Stadt, die man in Hektik erleben sollte. Plane dir lieber einen ganzen Tag ein, vielleicht sogar zwei. Starte oben am Schloss, schlendere langsam durch die Altstadt, lass dich im Museum der Bilder verzaubern, gönn dir eine Pause auf dem Place des Vosges und tauch im Kunstmuseum in die Geschichte ein.

Zwischendurch: Immer wieder innehalten, schauen, spüren. Épinal entfaltet seinen Charme leise – aber dafür nachhaltig.

Denn am Ende wirst du merken: Diese Stadt bleibt nicht nur in der Erinnerung, sie setzt sich irgendwo zwischen Herz und Bauch fest.

Ein Reisebericht von V.O.Yager