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Jean-Paul Huber · 21.07.2026

Hamas wählt Khalil al-Hayya zum neuen Chef des Politbüros

Doha – 20.07.2026: Die islamistische palästinensische Organisation Hamas hat Khalil al-Hayya zum Vorsitzenden ihres Politbüros gewählt. Die Bewegung teilte am Montag mit, al-Hayya folge auf Yahya Sinwar, der im Oktober 2024 bei einem Einsatz israelischer Streitkräfte im Gazastreifen getötet worden war. Nach Angaben eines hochrangigen Hamas-Vertreters erhielt die Kandidatur breite Unterstützung aus Gaza und den Auslandsstrukturen der Organisation.

Mit der Entscheidung endet eine fast zweijährige Übergangsphase. Nach Sinwars Tod war die Führung der Hamas faktisch auf ein fünfköpfiges Gremium verteilt worden. Dieses Modell sollte die Kommunikation zwischen den Organisationsteilen im Gazastreifen, im Westjordanland, in israelischen Gefängnissen und im Ausland sichern. Nun kehrt die Bewegung zu einer zentralen Leitung des Politbüros zurück.

Al-Hayya gehört seit der Gründung der Hamas im Jahr 1987 zu deren Führungskadern. Der in Gaza geborene Politiker war nach dem Wahlsieg der Hamas 2006 Abgeordneter des Palästinensischen Legislativrats. In den vergangenen Jahren gewann er vor allem als Vertreter der Gaza-Strukturen und als Leiter der Hamas-Delegation bei indirekten Verhandlungen mit Israel über Waffenruhen und die Freilassung von Geiseln an Gewicht.

Die Wahl setzt daher vor allem ein Zeichen der organisatorischen Kontinuität. Al-Hayya gilt innerhalb der Bewegung als Vermittler zwischen den verbliebenen Funktionären in Gaza und der politischen Führung im Ausland. Zugleich verfügt er über Beziehungen zu den Vermittlerstaaten Katar und Ägypten sowie zu Iran, einem wichtigen Unterstützer der Hamas. Seine Ernennung bedeutet jedoch keine erkennbare programmatische Neuorientierung.

Die Hamas steht unter erheblichem Druck. Der Krieg mit Israel, der auf den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 folgte, hat ihre militärischen und politischen Strukturen stark geschwächt. Mehrere führende Vertreter wurden getötet, während die Verwaltung des Gazastreifens zunehmend umstritten ist. Anfang Juli erklärte die Organisation die Auflösung ihrer bisherigen Regierungsorgane in Gaza und sprach sich für eine technokratische palästinensische Verwaltungsstruktur aus.

Für die laufenden Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe erhält die Personalentscheidung besonderes Gewicht. Al-Hayya war bereits vor seiner Wahl eine zentrale Figur der Verhandlungen über Geiseln, humanitäre Hilfe und Sicherheitsgarantien. Seine neue Stellung kann Entscheidungswege innerhalb der Hamas vereinfachen. Ob dies die festgefahrenen Gespräche mit Israel und den Vermittlern tatsächlich voranbringt, hängt jedoch auch von den Positionen Israels, Katars, Ägyptens und der Vereinigten Staaten ab.

Quellen

  • Franceinfo
  • Reuters
  • El Pais
  • Le Monde