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Nachrichten.fr · 28.05.2026

„Hier gibt es wenigstens ein bisschen Luft“ – Rennes öffnet nachts seine Parks gegen die Hitze

Wenn die Sonne untergeht, beginnt in Rennes derzeit ein zweites Stadtleben.

Während tagsüber die Straßen in der Hitze flimmern und sich die Fassaden der bretonischen Hauptstadt wie Herdplatten Mit Wärme aufladen, ziehen am Abend Hunderte Menschen in die Parks. Familien breiten Decken auf den Rasenflächen aus, Jugendliche sitzen lachend unter alten Kastanienbäumen, ältere Bewohner genießen jede kühlere Brise. Manche bleiben bis weit nach Mitternacht. Nicht aus Romantik — sondern weil es in den Wohnungen kaum noch auszuhalten ist.

Rennes erlebt ungewöhnlich früh im Jahr Temperaturen, die sonst erst im Hochsommer erwartet werden. Bis zu 36 Grad tagsüber, tropische Nächte mit kaum sinkenden Temperaturen — selbst für viele Franzosen fühlt sich das beunruhigend an. In der Bretagne ohnehin. Dort galt heftiges Schwitzen früher eher als Ferienproblem des Südens.

Nun reagiert die Stadt mit einer Maßnahme, die simpel klingt und doch viel über die neue Realität erzählt: Parks und öffentliche Gärten bleiben nachts geöffnet.

Besonders beliebt ist der Parc du Thabor, normalerweise am Abend geschlossen. Jetzt sitzen dort Menschen bis tief in die Nacht auf Bänken oder direkt im Gras. „Das ist königlich“, sagt ein Besucher über die geöffneten Grünanlagen. Andere formulieren es nüchterner: „Hier gibt es wenigstens ein bisschen Luft.“

Genau darum geht es.

Denn moderne Städte speichern Hitze wie ein Schwamm Wasser. Asphalt, Beton und dicht bebaute Straßenzüge geben die Wärme erst Stunden später wieder ab. Wer in oberen Stockwerken lebt oder unter dem Dach wohnt, kennt das Gefühl: Die Wohnung fühlt sich nachts an wie ein Backofen mit angelehnter Tür. Schlaf? Fehlanzeige.

Vor allem ältere Menschen, Kinder, Schwangere und alleinlebende Personen geraten bei solchen Temperaturen schnell an körperliche Grenzen. Die Behörden betrachten die nächtliche Öffnung der Parks deshalb längst nicht mehr als nette Sommeridee, sondern als Teil des Gesundheitsschutzes.

Rennes steht mit diesem Problem nicht allein da. In vielen französischen Städten verändert der Klimawandel inzwischen den Alltag. Öffentliche Trinkwasserstellen, längere Öffnungszeiten von Schwimmbädern, Sprühnebelanlagen auf Plätzen oder neue Schattenkonzepte gehören vielerorts bereits zur kommunalen Standardausrüstung gegen Hitzeperioden. Das klingt technisch — hat aber unmittelbare Folgen für das tägliche Leben der Menschen.

Und plötzlich wirken Parks nicht mehr bloß wie hübsche Grünflächen zwischen Häuserblocks, sondern wie lebenswichtige Rückzugsorte.

Die Stadt baut deshalb ihr Netz sogenannter „Frischeinseln“ weiter aus. Orte also, an denen Bäume, Wasserflächen und Pflanzen die Umgebungstemperatur spürbar senken. Wer an heißen Abenden durch Rennes läuft, merkt den Unterschied oft schon nach wenigen Metern. Zwischen den aufgeheizten Straßenschluchten fühlt sich ein schattiger Park beinahe wie eine andere Klimazone an.

Vor wenigen Jahren hätte kaum jemand geglaubt, dass Menschen Ende Mai nachts in bretonischen Parks Zuflucht vor der Hitze suchen. Heute gehört genau dieses Bild plötzlich zum Alltag.

Und ehrlich gesagt: Das macht vielen Franzosen mehr Angst als jede Wetter-App.

Von C. Hatty