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NEWSDESK · 12.07.2026

Hisae Iwaoka und die leise Sprache der Landschaft

Paris-Nord Villepinte – 11.07.2026: Die japanische Mangaka Hisae Iwaoka gehört zu jenen Zeichnerinnen, deren Seiten nicht laut werden müssen, um lange nachzuklingen. Im Gespräch mit franceinfo, das während der Japan Expo entstand, schildert sie ihre Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Ihre Figuren bewegen sich dabei nicht durch bloße Kulissen: Wälder, Häuser und Himmel besitzen bei Iwaoka eine eigene, beinahe atmende Gegenwart.

Die Künstlerin, die aus der Präfektur Chiba stammt und seit 2002 veröffentlicht, ist am Samstag bei der Japan Expo im Parc des Expositions Paris-Nord Villepinte zu einer Signierstunde angekündigt. Das Festival führt sie als prägende Stimme des kontemplativen Manga. Gemeint sind Erzählungen, die weniger auf Tempo und dramatische Wendungen setzen als auf Wahrnehmung, innere Bewegung und die geduldige Beobachtung des Alltäglichen.

Gerade diese Aufmerksamkeit prägt Iwaokas Werk seit mehr als zwei Jahrzehnten. Menschen auf der Suche nach ihrem Platz treffen darin auf Landschaften, die nicht einfach Naturidylle sind. Sie können Schutzraum sein, Erinnerung bewahren oder eine fremde, schwer deutbare Kraft entfalten. Die Natur erscheint nicht als Dekoration menschlicher Sorgen, sondern als Gegenüber. Das ist eine Haltung, die ihren Geschichten eine stille ethische Spannung verleiht.

Besonders deutlich wird dies in "Der magische Wald von Hoshigahara", der in Frankreich bei Le Renard Dore, dem Manga-Label des Verlags Rue de Sevres, erscheint. Die Erzählung verbindet Geisterwelt und Gegenwart, ohne das Wunderbare mit großen Gesten auszustellen. Zwischen Bäumen, verlorenen Seelen und vorsichtigen Begegnungen entsteht eine Welt, in der Mitgefühl nicht als Lektion daherkommt, sondern als kleine, schwierige Übung des Zusammenlebens.

Auch die Kindheit spielt in Iwaokas Bildsprache eine wichtige Rolle. Sie steht nicht für sentimentale Unschuld, sondern für eine besondere Durchlässigkeit: Kinder nehmen wahr, was Erwachsene im Getriebe des Tages übersehen. Daraus entsteht keine Flucht vor der Wirklichkeit. Vielmehr fragt die Zeichnerin, welche Formen von Aufmerksamkeit nötig sind, damit Beziehungen zwischen Menschen – und zur nichtmenschlichen Welt – nicht verarmen.

Iwaoka erhielt 2011 für ihre siebenteilige Reihe "Die Stadt Saturn" den Großen Preis des Japan Media Arts Festival. Der französische Verlag erinnert zudem an frühere Auszeichnungen und Festival-Auswahlen für ihre Arbeiten. Dass sie nun in Villepinte ihr Publikum trifft, passt daher gut zur Japan Expo: Inmitten von Kostümen, Sammlerandrang und Bildschirmlärm behauptet ihr Werk die Kraft des leisen Panels. Ein Blattwerk, ein Blick, eine Pause – manchmal reicht das vollkommen.

Quellen

  • franceinfo
  • Japan Expo Paris
  • Rue de Sevres