Die außergewöhnliche Hitzewelle, die Frankreich derzeit fest im Griff hat, zeigt bereits spürbare Auswirkungen auf die Vorbereitungen der Fête de la Musique am 21. Juni. Während in zahlreichen Regionen Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet werden, reagieren immer mehr Kommunen mit Vorsichtsmaßnahmen. Einige Veranstaltungen wurden bereits abgesagt, andere stehen auf der Kippe oder erhalten kurzfristig ein angepasstes Programm.
Besonders groß ist die Sorge vor gesundheitlichen Risiken. Tausende Besucherinnen und Besucher strömen traditionell am längsten Tag des Jahres auf Straßen, Plätze und in Parks, um gemeinsam Musik zu feiern. Unter extremen Wetterbedingungen steigt jedoch die Gefahr von Dehydrierung, Kreislaufproblemen und Hitzeschlägen erheblich. Gleichzeitig fürchten viele Gemeinden eine Überlastung der Rettungsdienste, falls zahlreiche medizinische Einsätze erforderlich werden.
In Limoges fiel bereits eine geplante Musikveranstaltung auf dem Place Denis-Dussoubs den Wetterprognosen zum Opfer. Die Verantwortlichen entschieden sich für eine Absage, um Risiken für Publikum und Künstler zu vermeiden. Auch in anderen Städten prüfen Bürgermeister und Präfekturen derzeit ihre Sicherheitskonzepte und beobachten die Wetterentwicklung nahezu stündlich.
Eine landesweite Absage der Fête de la Musique steht bislang nicht zur Debatte. Das Kulturministerium hält offiziell an der traditionsreichen Veranstaltung fest. Gleichzeitig erhalten die lokalen Behörden weitreichende Spielräume, um auf die jeweilige Lage vor Ort zu reagieren. Manche Städte verlegen Konzerte in schattige Innenhöfe oder klimatisierte Gebäude. Andere passen die Uhrzeiten an, richten zusätzliche Trinkwasserstationen ein oder schaffen spezielle Bereiche zur Abkühlung.
Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatten mehrere französische Gemeinden auf ungewöhnlich hohe Temperaturen reagieren müssen. Damals wurden Konzerte verlegt, Programme gekürzt oder einzelne Veranstaltungen gestrichen. Was einst als Ausnahme galt, entwickelt sich zunehmend zur regelmäßigen Herausforderung.
Die Wettervorhersagen für das Wochenende geben wenig Anlass zur Entwarnung. Meteorologen rechnen in weiten Teilen des Landes mit Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad. Hinzu kommen sogenannte tropische Nächte, in denen das Thermometer selbst nach Sonnenuntergang kaum unter 20 Grad sinkt. Dadurch fehlt vielen Menschen die nächtliche Erholung, was die Belastung zusätzlich erhöht.
Der Fall zeigt, dass die Diskussion längst über einzelne Konzertabsagen hinausgeht. Die Fête de la Musique gilt seit ihrer Einführung im Jahr 1982 als Symbol für Lebensfreude, kulturelle Vielfalt und den Beginn des Sommers. Doch genau dieser Sommer präsentiert sich zunehmend von seiner extremen Seite. Städte und Veranstalter stehen vor der Aufgabe, beliebte Großereignisse an neue klimatische Realitäten anzupassen.
Die Musik soll weiter spielen – allerdings unter Bedingungen, die Sicherheit und Gesundheit der Besucher stärker in den Mittelpunkt rücken als jemals zuvor.
Von C. Hatty