Dubai – 14.07.2026: Die Straße von Hormus ist wieder der gefährlichste Engpass der globalen Wirtschaft. Nach neuen gegenseitigen Raketen- und Drohnenangriffen haben die Vereinigten Staaten ihre Blockade gegen iranische Schiffe im Golf angekündigt. Präsident Donald Trump erklärte zugleich, Washington werde die Meerenge offenhalten, aber für Frachttransporte eine Abgabe von 20 Prozent verlangen. Nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Kommandos soll die neue Maßnahme am Dienstag um 20.00 Uhr GMT beginnen, also um 22.00 Uhr in Paris. Damit wird aus einem militärischen Konflikt zunehmend ein Streit über die Kontrolle einer Wasserstraße, von der Energieversorgung, Handel und Versicherungswirtschaft weit über die Region hinaus abhängen. Vor dem Krieg passierten rund 20 Prozent der weltweit auf dem Seeweg gehandelten Kohlenwasserstoffe die Passage zwischen Iran und Oman. Nun vermeiden Reedereien die Route, soweit dies überhaupt möglich ist. Daten von Marine Traffic zufolge sank die Zahl der Schiffsbewegungen zwischen dem 10. und 12. Juli um 52 Prozent. Tanker, Frachter und ihre Versicherer kalkulieren nicht nur das Risiko eines Angriffs ein, sondern auch die Unklarheit darüber, welche Seite Regeln für die Durchfahrt durchsetzen kann und darf. Teheran beansprucht ebenfalls, den Verkehr zu lenken, und hatte eine gemeinsame Regelung mit Oman ins Gespräch gebracht. Die Regierung in Maskat gerät damit erneut in eine Rolle, die diplomatisch klein, praktisch aber unverzichtbar ist. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation hatte seit Beginn des Konflikts am 28. Februar mindestens 46 Angriffe auf die internationale Schifffahrt in und um Hormus verifiziert. Diese Zahl macht deutlich, dass die Lage nicht als bloße Machtdemonstration gelesen werden kann. Für die Golfstaaten steht ihre Fähigkeit auf dem Spiel, Öl, Flüssiggas und Konsumgüter zuverlässig zu exportieren beziehungsweise zu importieren. Für Europa und Asien geht es um Energiepreise, Lieferketten und die Kalkulierbarkeit des Welthandels. Die amerikanische Forderung nach einer Durchfahrtsgebühr ist politisch besonders brisant. Sie verbindet das Sicherheitsversprechen einer offenen Route mit einem Anspruch auf finanzielle Gegenleistung. Völkerrechtlich und praktisch dürfte sie rasch umstritten sein. Entscheidend ist zunächst etwas Nüchterneres: Solange beide Seiten ihre Kontrolle über Hormus behaupten und militärisch unterstreichen, wird die Meerenge zwar nicht vollständig geschlossen sein, aber für viele Handelsschiffe kaum als verlässliche Passage gelten. Das genügt, um die wirtschaftlichen Folgen weltweit zu spüren.
Quellen
- Associated Press
- Reuters
- Le Monde
- International Maritime Organization
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